Krankenhäuser in Hagenow und Ludwigslust beteiligen sich erstmals am Netzwerk für Gewebespenden

Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV
soll Versorgung aller Patienten verbessern

 

Rostock, 21.08.2017 - Seit dem 1. Juni 2017 kooperiert die Westmecklenburg Klinikum Helene von Bülow GmbH mit ihren Krankenhäusern in Hagenow und Ludwigslust in der Gewebemedizin mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH). Die 2015 in Rostock gegründete gemeinnützige Gesellschaft wird von zwei erfahrenen Medizinern aus dem Bereich der Organ- und Gewebespende geleitet. Die GTM-V bedient als eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland das gesamte Spektrum der postmortalen Spende, also der Entnahme von Augenhornhäuten, Knochen, Sehnen, Haut, Herzklappen und Blutgefäßen nach dem Tod.
Geschäftsführer und Stiftspropst Jürgen Stobbe begrüßte die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Gewebemedizin. „Die deutsche Transplantationsmedizin stellt den freien Willen der Betroffenen, die Gemeinnützigkeit und das Wohl der Patienten in den Mittelpunkt. Das hat sich bewährt und wird dem hohen Gut des Lebens gerecht. Für mich ist die Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende nach dem Tod aus christlicher Sicht ein Zeichen der Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Solidarität.“


Bedarf kann nicht gedeckt werden
Die Versorgung von Patienten mit hochwertigen Gewebetransplantaten gestaltet sich allerdings auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der erneuerten gesetzlichen Rahmenbedingungen im Transplantationsgesetz immer noch schwierig. „Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei ca. drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich“, sagte der Geschäftsführende Arzt der GTM-V, der Rostocker Dr. Frank-Peter Nitschke. „Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Von den jährlich etwa 8.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland werden rund 1.000 durch Spenden aus dem Ausland abgedeckt. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zu einer dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität führen. Das muss nicht sein, das wollen wir mit unserem wachsenden Netzwerk ändern“, so Nitschke.

Ansprechpartner für alle Fragen zu Organ- und Gewebespenden in Ludwigslust und Hagenow ist der Transplantationsbeauftragte und Chefarzt für Anästhesie- und Intensivmedizin, Chefarzt Dr. Karsten Matheja (Foto). „Die Kooperation ist für uns ein weitreichender Schritt“, betonte der Facharzt für Anästhesie und Notfallmedizin. „Es ist in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit, sich als Akutklinik für die Grund- und Regelversorgung an einem Netzwerk für Gewebespenden zu beteiligen. Das Konzept, dass Patienten aller Kliniken, egal welcher Größe, von der modernen Gewebemedizin profitieren sollen, hat uns jedoch überzeugt. Uns ist klar, dass die Nachfrage an Gewebetransplantaten aktuell nicht gedeckt werden kann und weiter steigen wird“, so Matheja. „Insofern unterstützen wir den Ansatz, die Versorgung von Patienten aller Altersgruppen mit innovativen Gewebetransplantaten ohne längere Wartezeiten zu verbessern.“

Als moderne medizinische Einrichtungen der Schwerpunktversorgung leisten die Krankenhäuser in Ludwiglust und Hagenow somit im Rahmen der Kooperation künftig ihren eigenen Beitrag, um Gewebespenden zu gewinnen. Dabei treten bei der Organ- und Gewebespende große Unterschiede auf. Bei der Gewebespende spielt das Alter eine geringere Rolle und die entnommenen Transplantate können präpariert und gelagert weitaus länger eingesetzt werden. Seit Beginn der Zusammenarbeit im Juni konnten bereits 16 potenzielle Spender gewonnen und die ersten Entnahmen vorgenommen werden. Die Gewebespenden werden in der Rostocker Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH (GBM-V) zu hochwertigen Transplantaten aufbereitet, die allen Patienten zur Verfügung stehen.

 

Vertrauen und Transparenz sind Grundvoraussetzung
„Das vertrauensvolle Gespräch mit den Angehörigen und die Entnahme der Spenden bei den Verstorbenen erfolgt grundsätzlich mit unseren medizinischen Fachkräften sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Transplantationsbeauftragten und dem Krankenhaus“, unterstrich Dr. Axel Manecke von der GTM-V. „Dabei legen wir sehr viel Wert auf umfassende Informationen über die Gewebespende und Transparenz im Umgang mit menschlichen Transplantaten“, so Manecke weiter. „Unser Ziel ist es, den Bedarf an Gewebespenden zu decken, so dass jeder Patient auch sofort die Hilfe bekommt, die er benötigt. Jeder kann in die Situation kommen, beispielsweise durch einen Verkehrsunfall, auf eine Spende angewiesen zu sein.“
Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. Das Netzwerk an kooperierenden Kliniken besteht vor allem aus Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung in Mecklenburg-Vorpommern. Die größte Einrichtung ist das Klinikum Südstadt in Rostock. „Die moderne Gewebemedizin wird dazu führen, dass auch kleinere Häuser künftig stärker am Fortschritt innovativer Transplantate teilhaben werden, vor allem in der Versorgung chronischer Wunden, aber auch in der Kardiologie“, so Dr. Axel Manecke.

Die Westmecklenburg Klinikum Helene von Bülow GmbH ist ein gemeinsames Unternehmen des Landkreises Ludwigslust-Parchim und des Stift Bethlehem. Das Klinikum versorgt mit seinen Standorten in Ludwigslust und Hagenow und insgesamt 320 Betten die rund 120.000 Einwohner im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

www.wmk-hvb.de

 

 

Transplantationsbeauftragter Oberarzt Dr. Karsten Matheja möchte in seinem Klinikum die Versorgung der Bevölkerung mit Transplantaten verbessern. (Foto: WMK-HVB GmbH)             

Gewebekoordinator Stephan Petrowski bringt eine Kühlbox mit einem Herzen in die Gewebebank. Nach der Entnahme werden dort die Transplantate aufbereitet.

Foto: GBM-V/Barbara Pommerenke

Rostocker Gewebebank erhält als erste Einrichtung in MV Herstellungserlaubnis für humane Herzklappen und Blutgefäße

Enormer Bedarf an hochwertigen kardiovaskulären Transplantaten

1. Juni 2017 - Das Landesamt für Gesundheit und Soziales MV hat der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH (GBM-V) mit Sitz in Rostock im Mai die „Erlaubnis für die Be- oder Verarbeitung, Konservierung, Prüfung, Lagerung, das Inverkehrbringen von Gewebe oder Gewebezubereitungen“ erteilt. Damit ist die Rostocker Einrichtung die einzige Gewebebank in Mecklenburg-Vorpommern, die kardiovaskuläre Transplantate herstellen darf.
Bereits seit zwei Jahren wurden durch die eng mit der GBM-V kooperierende Gesellschaft für Transplantationsmedizin M-V gGmbH (GTM-V), ebenfalls ansässig in Rostock, zwar schon Gewebespenden von Herzen oder Gefäßen entnommen, aber nun können die Transplantate auch in Rostock für den künftigen Empfänger aufbereitet werden. Vorher haben das vertraglich gebundene Gewebebanken außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns übernommen. „Der Bedarf an hochwertigen Herzklappen- und Gefäßtransplantaten ist enorm“, sagt der ärztliche Geschäftsführer Dr. Axel Manecke von der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH. „Das liegt insbesondere an der älter werdenden Gesellschaft, aber auch am medizinischen Fortschritt, der Operationen zunehmend auch im höheren Alter möglich macht.“

Die Entnahme von
kardiovaskulärem Gewebe ist bis zu 36 Stunden nach dem Eintreten des Herz-Kreislaufstillstandes möglich. Die Gewinnung  von Organen und Geweben des Spenders erfolgt durch einen Eingriff, der mit einer Operation am lebenden Patienten vergleichbar ist. „Nur mit größter Sorgfalt entnommene Organe bzw. Gewebe können in der Folge wieder transplantiert werden. Die hergestellten Gewebezubereitungen, Herzklappen und Gefäße, sind bei Temperaturen unter - 130 °C in Stickstoff fünf Jahre lagerbar. Da die Nachfrage jedoch sehr hoch ist, wird die Lagerungszeit in der Regel nicht ausgeschöpft“, erläuterte Dr. Frank-Peter Nitschke, ärztlicher Geschäftsführer der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH.

 

Spenderaufkommen soll deutlich erhöht werden
Die Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) stellt derzeit Gewebezubereitungen aus Augenhornhäuten, Herzklappen und Gefäßen nach herkömmlichen klassischen Verfahren her. Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. Diese sollen im laufenden Jahr mehr als verdoppelt werden. „Wir sehen unsere Aufgabe auch im Werben um eine hohe Spendenbereitschaft durch eine aktive Informations- und Aufklärungsarbeit. Im Notfall möchte jeder, dass ihm schnell geholfen werden kann“, betonte Nitschke.
In Zukunft wird die GBM-V gGmbH vorrangig neue, innovative und zukunftsorientierte Technologien zur Herstellung von Transplantaten aus Herzklappen, Haut und anderen Geweben etablieren. Die erforderlichen Erlaubnis- und Genehmigungsverfahren sind bereits in Vorbereitung. Dazu kooperiert die gemeinnützige Gesellschaft mit dem britischen Biotechnologieunternehmen Tissue Regenix. Die Tissue Regenix Group plc ist eine international führende Firma in der Entwicklung von regenerativen Implantaten auf der Basis zellfreier Gewebegerüste (tissueregenix.com).


#Hintergrund
Die Gewebemedizin stellt einen bedeutenden Teilbereich der Transplantationsmedizin dar. Schätzungsweise 52.000 Gewebetransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt, weitaus mehr als Organtransplantationen. 2016 erhielten bundesweit 3.049 Patienten ein Spenderorgan. Im Gegensatz zur Organspende werden die Gewebe nicht gleich verpflanzt. In Gewebebanken werden aus den entnommenen Gewebepräparaten qualitativ hochwertige Gewebetransplantate hergestellt. In der medizinischen Versorgung werden vor allem Herzklappen, Blutgefäße, Augenhornhäute, Knochen, Sehnen, Faszien sowie Amnionmembranen und Haut nach Aufbereitung  zu Gewebetransplantaten eingesetzt.

Die Versorgung von Patienten mit Gewebezubereitungen ist auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist noch gravierender. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen, Verlust der Sehkraft) führen.

In Deutschland sind derzeit ca. 20 Einrichtungen mit einer Erlaubnis für die Gewinnung von Gewebe im Bereich der Spende aktiv. Die Spenderprogramme sind universitär (11), in gGmbH (6) oder  GmbH (3) organisiert. Die Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern kooperiert im Bereich der Gewebespende mit der GTM-V.

 

 

 

Rostock, 2. Januar 2017

 

Aufwändige Herzentnahmen sichern besonders hochwertige Gewebepräparate

532 Patienten mit Augenproblemen in ganz Deutschland profitierten im vergangenen Jahr von der 2015 neu gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock. Insgesamt wurden 741 Hornhäute in 2016 durch Gewebespenden entnommen.
„Wir haben damit auf Anhieb sieben Prozent des bundesweiten Bedarfes gedeckt“, betonte der ärztliche Geschäftsführer Dr. Axel Manecke. „Mit unserer Gewebebank haben wir den unnötigen Wartezeiten für Patienten den Kampf angesagt und sind ein gutes Stück vorangekommen. Unser Ziel ist, ohne jede zeitliche Verzögerung den Betroffenen umgehend die erforderlichen Gewebetransplantate bereit zu stellen.“ Darüber hinaus hat sich die GTM-V mit der Entnahme von Herzen bei Herzkreislauf-Verstorbenen als neue Ressource für die Bereitstellung von Herzklappen und Blutgefäßen einen Namen in den Transplantationszentren gemacht. Dabei gewährleisten die Rostocker in einem aufwändigen Entnahmeverfahren eine hohe Qualität der kardiovaskulären Gewebepräparate. Dieses Verfahren kommt in Deutschland kaum zur Anwendung.

Nur ein Jahr nach der Gründung hatte die Rostocker Gewebebank im September 2016 von der Arzneimittelüberwachungs- und -prüfstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales MV (LAGuS M-V) die Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten erhalten. Das ist die Grundvoraussetzung, um entnommene Gewebe bearbeiten, konservieren, lagern sowie anschließend als verpflanzbare Transplantate  Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren zur Verfügung stellen zu können. „Wir sind schon stolz, dass wir im letzten Quartal mit dieser Genehmigung bereits 80 selbst präparierte Augenhornhäute in hoher Qualität zur Transplantation bundesweit verteilen konnten. In diesem Jahr wollen wir rund 1.100 Augenhornhäute im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) aufbereiten“, sagte Dr. Frank-Peter Nitschke, ärztlicher Geschäftsführer der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH. Während der Gesetzgeber eine Präparationszeit innerhalb von 72 Stunden nach der Entnahme vorschreibt, werden die Hornhäute in Rostock bereits nach 16 bis 24 Stunden für die Transplantation vorbereitet, was die Qualität der Transplantate maßgeblich erhöht. Aufgrund der positiven Entwicklung wurden inzwischen zwei neue Fachkräfte für die Herstellung von Gewebetransplantaten in der Gewebebank eingestellt.

Eine Entnahme, großer Nutzen für viele Patienten
Im ersten Jahr des Bestehens wurden neben den Augenhornhautentnahmen auch 56 Entnahmen von Knochengewebe und 27 von Herzklappen und Blutgefäßen vorgenommen. „Aus den 56 Knochenspenden haben wir der kooperierenden Berliner Gewebebank (DIZG/dizg.de) 667 Präparate bereitgestellt, mit denen wiederrum mehr als tausend Patienten direkt geholfen werden kann, insbesondere nach Unfällen und Krebsoperationen“, so Dr. Frank-Peter Nitschke. „Eine hohe Spendebereitschaft in der Gesellschaft bedeutet auch, dass jedem Menschen in einem Notfall geholfen werden kann“, unterstrich der Mediziner.

Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. In 27 Prozent der Meldungen konnten die Mitarbeiter der GTM-V eine oder mehrere Gewebeentnahmen verwirklichen. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei etwa zehn Prozent. „Das ist ein Erfolg, weil wir auf eine enge Vernetzung und Rückkopplung Wert legen sowie die Organisation vor Ort durch erfahrene Transplantationsärzte erfolgt“, so Nitschke. „Wir prüfen jeden potenziellen Spender genau, auch wenn eine Gewebeentnahme aufgrund der Erkrankung und Todesfolge auf dem ersten Blick als kritisch eingeschätzt wird. In den Gesprächen mit den Angehörigen erhalten wir gegenwärtig eine Zustimmung für eine Gewebespende von durchschnittlich 41 Prozent. Diese wollen wir in den kommenden Jahren deutlich erhöhen.“

Kleinere Krankenhäuser sind jetzt einbezogen
Das Netzwerk an kooperierenden Kliniken besteht vor allem aus kleineren Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung, so unter anderem aus Ribnitz-Damgarten, Pasewalk, Bützow, den DRK-Krankenhäusern und Schwedt. Die größte Einrichtung ist das Klinikum Südstadt in Rostock. „Diese Kliniken leisten mit ihren Experten einen sehr engagierten Beitrag für die Bereitstellung dieser Ressourcen für alle Patienten. Die moderne Gewebemedizin wird dazu führen, dass auch kleinere Häuser künftig stärker am Fortschritt innovativer Transplantate teilhaben werden, vor allem in der chronischen Wundversorgung“, so Dr. Axel Manecke. „Gewebemedizin ist längst kein Thema mehr nur für Uniklinika.“ 
Anfang des Jahres erwartet die Rostocker Gewebebank die Genehmigung für die Aufbereitung von kardiovaskulärem Gewebe wie Herzklappen und Blutgefäßen und Mitte des Jahres die für die Herstellung dezellulärer (zellfreier) Herzklappen nach neuesten Verfahren. Darüber hinaus wird mit  weiteren Krankenhäusern, Uniklinika und Forschungseinrichtungen über mögliche Kooperationen verhandelt, um das Netzwerk gezielt auszubauen.
Ein Alleinstellungsmerkmal der Rostocker Transplantationsmediziner soll darüber hinaus noch intensiver genutzt werden - die Entnahme von Herzen zur Gewinnung hochwertiger Transplantate. „Bislang haben wir einen Sektionssaal im Klinikum Südstadt Rostock in einen OP umfunktionieren können, um dort ganze Herzen von normal verstorbenen Menschen oder nicht geeigneten Organspendern entnehmen zu können“, erläuterte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Das ist sehr aufwändig, aber die Entnahme der Herzklappen oder Gefäße außerhalb des Prozesses der Organspende trägt maßgeblich zur Verbesserung der Versorgung der Patienten bei. Diese Transplantate sind deshalb besonders begehrt in herz- und gefäßchirurgischen Kliniken“, so Nitschke. „Unsere Aufgabe ist Leben retten mit hochwertigen Gewebetransplantaten.“

Hintergrund: Die Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten ist auch neun Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen) führen.

Rostocker Gewebespende und Gewebebank mit erfolgreichem ersten Jahr

 

Presseinformation


Rostocker Gewebebank erhält Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten

Über 1.000 Spenden pro Jahr geplant - bessere Versorgung für Patienten mit Sehproblemen

Rostock, 17. August 2016 - Nur ein Jahr nach der Gründung hat die gemeinnützige Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock von der Arzneimittelüberwachungs- und -prüfstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales MV (LAGuS M-V) die Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten erhalten. Das ist die Grundvoraussetzung, um entnommene Gewebe bearbeiten, konservieren, lagern sowie anschließend als verpflanzbare Transplantate  Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren zur Verfügung stellen zu können. Direkt davon hängt auch die Genehmigung für die Abgabe von Gewebetransplantaten der aufbereiteten Spenden ab, die für Ende August vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut in Langen (PEI) erwartet wird.

„Damit können wir endlich durchstarten und die gewonnenen Augenhornhäute selbst aufbereiten und zügig an die Kliniken ausreichen“, freute sich Geschäftsführer Dr. Frank-Peter Nitschke über die wichtige Herstellungserlaubnis. „Durch die hervorragende Vorarbeit unseres Teams und den Aufbau eines funktionierenden Spenderprogrammes können wir nun jährlich ca. rund 1.000 Augenhornhäute für Patienten mit ernsthaften Augen- und Sehproblemen bereitstellen. Damit werden zumindest in Mecklenburg-Vorpommern künftig keine Wartezeiten mehr entstehen“, so Nitschke. 

Derzeit werden die logistischen Voraussetzungen für die im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock ansässige Gewebebank geschaffen. Ab September dieses Jahres können Augenärzte über eine Online-Anfrage schnell und unkompliziert Augenhornhäute für ihre Patienten anfordern. Bislang wurden die gespendeten und von Fachkräften der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) entnommenen Augenhornhäute, rund 520 seit Jahresbeginn, noch in externen Gewebebanken aufbereitet. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt die Gewebespenden unserer mittlerweile elf Kooperationspartner direkt selbst für die Empfänger aufbereiten können“, betonte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Wir sind mit weiteren Kliniken und auch Universitäten in Verhandlung, um unser Netzwerk zu erweitern. „Unserem Ziel einer besseren Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten bei Vermeidung von unnötigen Wartezeiten kommen wir jeden Tag näher.“

Die Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten ist auch neun Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen) führen.

Innovative Transplantate auch für kleinere Kliniken
Aktuell laufen weitere Herstellungs- und Genehmigungsverfahren, um auch alle anderen Gewebespenden in Eigenregie vor Ort weiterverarbeiten zu können. Das betrifft herkömmliche und neue Technologien für Herzklappen, Gefäße, Herzbeutel, Amnion (Eihaut der Fruchtblase) und Haut.
„Mit der Vorlage aller Genehmigungen wird die Rostocker Gewebebank künftig als eine von wenigen Einrichtungen in Deutschland ein sehr vielschichtiges Spektrum der humanen Gewebetransplantate abdecken“, sagte Dr. Andreas Knipper, Leiter Regulatory Affairs (Arzneimittelzulassungen) der GBM-V.

Darüber hinaus ist vorgesehen, durch eine Kooperation mit dem britischen Medizinunternehmen Tissue Regenix alle, vor allem auch kleinere Krankenhausstandorte mit innovativen Gewebetransplantaten zu versorgen. Die Tissue Regenix Group plc (
www.tissueregenix.com) ist eine international führende Firma in der Entwicklung von regenerativen Implantaten auf der Basis zellfreier (dezellulärer) Gewebegerüste. Erstmals hat die Tissue Regenix Anfang des Jahres mit der Rostocker Kooperation ihre Lizenzen einer europäischen Gewebebank zur Verfügung gestellt. Auch dafür laufen gegenwärtig weitere Genehmigungsverfahren. Die hochwertigen Gewebetransplantate ermöglichen den Empfängern ein wesentlich besseres Langzeitergebnis, da sie vom Empfänger nicht mehr als fremd erkannt werden und somit deutlich geringere bzw. keine Abstoßungsreaktionen zeigen.

„Um eine hohe Sicherheit für unsere Patienten zu garantieren, wurde das Medizinische Labor Rostock
  vom Landesamt für Gesundheit und Soziales MV mit der Diagnostik der Augenhornhauttransplantate beauftragt“, informierte Nitschke. Das Rostocker Labor wird regelmäßig mikrobiologische Untersuchungen zur Prüfung der Sterilität und Keimfreiheit der Transplantate der Rostocker Gewebebank vornehmen. „Unser Labor führt seit 2015 die gesamte mikrobiologische und virologische Diagnostik im Bereich Gewebemedizin durch“, so Dr. Michael Steiner, Ärztlicher Leiter des Labors. „Insbesondere für die Gewebetransplantate sind alle Untersuchungsverfahren geprüft worden, damit höchste Sicherheit für die Transplantatempfänger gewährleistet ist.“

 


#Hintergrund Augenspende
Die Hornhaut-Transplantation ist die älteste und inzwischen die häufigste und erfolgreichste Verpflanzung eines Gewebes beim Menschen. Die erste erfolgreiche Hornhauttransplantation führte bereits 1905 der österreichische Augenarzt Dr. Eduard Zirm durch.
Die Hornhaut des Auges (Cornea) bezeichnet man auch als die Windschutzscheibe des Auges. Eine gleichmäßig gekrümmte und völlig klare Hornhaut führt zu einem klaren Sehen. Erkrankungen der Augenhornhaut (Hornhautkrümmungen oder Hornhauttrübungen) können verschiedene Ursachen haben und führen unbehandelt über eine herabgesetzte Sehschärfe letztendlich zur Erblindung. Eine Hornhauttransplantation kann Patienten vor einer Erblindung bewahren oder ihnen das Augenlicht zurückgeben. Dabei wird die erkrankte Hornhaut des Patienten oder Teile von ihr durch eine Spenderhornhaut ersetzt.
Von den jährlich etwa 8.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland werden rund 1.000 durch Spenden aus dem Ausland abgedeckt. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Hornhauttransplantationen zukünftig auf ca. 12.000 jährlich steigen wird.


Foto GBM-V/Joachim Kloock:
Eine Mitarbeiterin in der Gewebebank präpariert eine Hornhaut. In den Gewebebanken können die Gewebezubereitungen je nach Gewebetyp und Konservierungsmethode unterschiedlich lange aufbewahrt werden. Die Lagerdauer für Augenhornhäute beträgt bis zu 35 Tage.



 

Aktuelles


26. April 2016

Die GTM-V ist jetzt auch bei Facebook zu finden. Besuchen Sie unsere Facebookseite und informieren Sie sich. Gerne können Sie Fragen rund um das Thema Transplantationsmedizin stellen - wir stehen gerne Rede und Antwort.

 


22. Januar 2016

Auf Initiative der GTM-V gründete sich satzungsgemäß der Beirat, der in transparenter Art und Weise die Aufsicht und Kontrolle über die gesellschaftlich und gesundheitspolitisch relevanten Aktivitäten und Tätigkeiten der Gesellschaft ausüben wird.

Der Beirat besteht aus Vertretern gesundheitspolitischer Institutionen. Den Vorsitz bekleidet Herr F. Ahrend, Geschäftsführer der AOK–Nordost, seine Stellvertretung übernimmt Herr Dr. med. Crusius, Präsident der Ärztekammer MV.


24. Juni 2015

Änderung der Festnetznummern

Sie erreichen uns ab sofort telefonisch unter 0381/ 444 30 50 oder per Fax unter 0381/ 444 30 525.


27. Mai 2015

Die GTM-V hat als erste Einrichtung im Bereich der postmortalen Spende eine Erlaubnis für die Gewinnung von Gewebe gemäß § 20 b Abs. 1 Arzneimittelgesetz (AMG) in Mecklenburg-Vorpommern bescheinigt bekommen.