Patientenversorgung mit Gewebetransplantaten ohne Warteliste - 1000. Augenhornhaut aus der Gewebebank MV verpflanzt

Rostock, 11. Mai 2018 - Seit Jahren existiert in Deutschland ein Mangel an Augenhornhauttransplantaten. Mit der im Juli 2015 gegründeten Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern hat sich dieser Versorgungsengpass erheblich reduziert. Diese Woche konnte die Transplantation der 1.000. Augenhornhaut gefeiert werden.

„Unser Team ist sehr stolz, dass wir innerhalb so kurzer Zeit so vielen Menschen mit gesundheitlichen Sehproblemen helfen konnten“, sagte der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V), Dr. Frank-Peter Nitschke. „Wir verdanken diesen Erfolg maßgeblich den Spendern und ihren Familien sowie den unglaublich engagierten Mitarbeitern in den Kliniken, die die Entnahme der Gewebe erst möglich machen. In keinem anderen Bundesland ist die Bereitschaft zur uneigennützigen, großherzigen Gewebespende höher als in Mecklenburg-Vorpommern.“

Hohe Spendebereitschaft sorgt für bessere Versorgung
In Mecklenburg-Vorpommern werden jährlich rund 200 Augenhorntransplantationen primär in Rostock, Greifswald, Demmin, Neubrandenburg und Stralsund durchgeführt. Bundesweit sind es etwa 8.000 Transplantation pro Jahr. Allein aus der Gewebebank MV werden derzeit pro Woche durchschnittlich 25 Transplantate abgegeben, was die überregionale Bedeutung dieser Gewebebank widerspiegelt. „Für dieses Jahr planen wir die Bereitstellung von insgesamt rund 1.200 Augenhornhauttransplantaten. Derzeit können wir allen Anfragen von Transplantationszentren nach Augenhornhäuten ohne Wartezeiten nachkommen“, betonte Nitschke.
Um die Vermittlung der Hornhauttransplantate noch effektiver und unkomplizierter zu gestalten, gibt es zukünftig auf der Website der GBM-V ein Kontaktformular, so dass anfragende Augenärzte innerhalb kürzester Zeit eine Antwort erhalten, ob ein passendes Transplantat zum gewünschten Termin zur Verfügung gestellt werden kann. „Wir wollen verhindern, dass einerseits Augenhornhäute nach der Lagerungszeit von maximal 34 Tagen verfallen und andererseits Patienten und Ärzteteams unnötig lange auf eine dringend notwendige Transplantation warten müssen.“


Qualität spielt entscheidende Rolle
Transplantate der Rostocker Gewebebank sind insbesondere wegen der hohen Qualität an vielen Universitätsklinika gefragt. „Unsere erfahrenen Mitarbeiter verarbeiten die entnommenen Augenhornhäute nach einer gründlichen Eingangskontrolle sehr zügig. Nach der fachgerechten Präparation kann die Augenhornhaut in der Gewebebank in einem mit Nährstoffen angereicherten Organkulturmedium bei ca. 32 Grad bis zu 28 Tage vorgehalten werden. Durch Produktion in einer Reinraumanlage sowie umfassende gesetzlich vorgeschriebene mikrobiologische Untersuchungen der Gewebepräparate senken wir dabei das Infektionsrisiko für den Transplantatempfänger auf ein Minimum“, erläuterte der Transplantationsmediziner
Aufgrund der hohen Transplantatzahlen sind bereits jetzt neue Personaleinstellungen sowie eine Erweiterung der Räumlichkeiten geplant. So werden derzeit neue Büros im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) bezogen sowie weitere Mitarbeiter in der Herstellung gesucht.

Eine Augenhornhauttransplantation ist insbesondere bei der Fuchs'schen Endotheldystrophie ein bewährter und etablierter Eingriff. Bei der erblichen Augenerkrankung, die von dem österreichischen Augenarzt Ernst Fuchs im vorigen Jahrhundert entdeckt wurde, kommt es zu einem Zellschaden in der Innenschicht der Hornhaut, die dann das Augenwasser aus der Hornhaut nicht mehr richtig abführen kann, um die Hornhaut klar zu halten. Oftmals hilft in diesem Fall nur eine neue Augenhornhaut, um das Erblinden zu verhindern. Die Hornhauttransplantation ist die älteste und am häufigsten durchgeführte Transplantation in der Medizin.


Enge Kooperation mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin
Basis für die verbesserte Versorgung der Patienten mit Hornhauttransplantaten ist die enge Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin, die durch Kooperationen mit Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen die Versorgung mit humanem Gewebe sicherstellt. „Aufgrund des wachsenden Netzwerkes an Kliniken, die mit uns kooperieren, können wir erheblich zur Verbesserung der Versorgungslage beitragen“, erklärte der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV (GTM-V), Dr. Axel Manecke. Im Netzwerk der Gewebespende arbeitet die GTM-V inzwischen mit 20 Krankenhäusern zusammen.

Die Transplantationsmediziner appellieren an alle Familien, eine klare Entscheidung zur Organ- und Gewebespende zu treffen. „Egal ob dafür oder dagegen, jede klare Entscheidung erleichtert den Angehörigen, den Mitarbeitern in den Kliniken und uns die Arbeit“, unterstrich Manecke.

Jeder Patient, dem mit einer gespendeten Augenhornhaut das Sehlicht erhalten bleibt, ist sehr dankbar über die Spendebereitschaft seiner Mitmenschen. In der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern wird die Grundlage für eine erfolgreiche Augenhornhauttransplantation gelegt.
Foto: Joachim Kloock

Rostocker Gewebespende mit zweitem Standort in Leipzig

 

Höhere Akzeptanz: Mehr als 2.200 Spendermeldungen im Netzwerk

Rostock, Januar 2018 - Die Akzeptanz für Gewebespenden ist in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gestiegen. Die gemeinnützige Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock erhielt im vergangenen Jahr 2.233 Spendermeldungen aus den Kliniken des Netzwerkes, eine Steigerung zum Vorjahr um fast 50 Prozent (2016: rund 1.500). Mit den hergestellten Transplantaten konnte mehr als 2.000 Patienten geholfen werden. Aufgrund des wachsenden Netzwerkes an kooperierenden Kliniken ist die GTM-V derzeit intensiv auf der Suche nach größeren Büroräumen im Umfeld ihrer Gewebebank im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ). Seit Jahresbeginn ist die GTM-V zudem mit einem Standort in Leipzig präsent. Im mitteldeutschen Raum soll analog zur nordöstlichen Region ein Kompetenznetzwerk für die Gewebemedizin aufgebaut werden. Ziel ist der Abbau von Wartezeiten für zum Teil lebensnotwendige Gewebetransplantate.
„Die gemeinsame Aufklärungsarbeit mit den Transplantationsbeauftragten und Kollegen in den Partnerkrankenhäusern zahlt sich aus“, sagte der ärztliche Geschäftsführer Dr. Axel Manecke (Foto). „Die Transplantationsmedizin ist eine Vertrauenssache und eine Möglichkeit, kranken Menschen wirksam zu helfen. Je mehr die Öffentlichkeit darüber informiert ist, umso stärker ist auch die Bereitschaft, nach dem Tod zu helfen.“

Bei rund 2.200 Spendermeldungen aus den Kliniken hat die GTM-V vor Ort im vergangenen Jahr fast 1.400 Gespräche mit den Familienangehörigen von Verstorbenen geführt. Rund 43 Prozent der Angehörigen erteilten für eine Gewebeentnahme eine Zustimmung, wobei es danach noch medizinische Gründe geben kann, die eine Spende ausschließen (2016: 41 %). In 26 Prozent der Meldungen konnten die Mitarbeiter der GTM-V eine oder mehrere Gewebeentnahmen verwirklichen. Das Rostocker Gewebespende-Team ist mittlerweile auf 22 Mitarbeiter angewachsen.

Gewebebank MV deckt 10 Prozent des bundesweiten Bedarfs bei Augenhornhäuten
Die Entnahme von Augenhornhäuten konnte durch die GTM-V in 2017 deutlich gesteigert werden. In der mit der GTM-V eng kooperierende Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern im BMFZ wurden im letzten Jahr rund 1.100 Augenhornhäute für die späteren Empfänger aufbereitet (2016: 178). Bei einem jährlichen Bedarf von ca. 8.000 Augenhornhäuten deckt die Rostocker Gewebebank inzwischen ca. zehn  Prozent der bundesweiten Nachfrage. Nach wie vor müssen viele Transplantationszentren ihre Augenhornhäute aus dem Ausland beziehen bzw. die Patienten lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Darüber hinaus hat die GTM-V 202 Herzklappen und Blutgefäße für kardiologische Patienten entnommen. Die Entnahme von
kardiovaskulärem Gewebe ist bis zu 36 Stunden nach dem Eintreten des Herz-Kreislaufstillstandes möglich. Auch hier ist die Nachfrage an hochwertigen Transplantaten hoch. Die Rostocker Gewebebank GBM-V hatte 2017 als erste Einrichtung in MV vom Landesamt für Gesundheit und Soziales MV die Herstellungserlaubnis für humane Herzklappen und Blutgefäße erhalten, so dass die gewonnenen Gewebe jetzt auch in Rostock zu Transplantaten verarbeitet werden können.

 

Der größte medizinische Nutzen für die betroffenen Patienten kann jedoch aus Spenden von Knochengewebe gezogen werden. Aus den 74 Knochenspenden hat die GTM-V mehr als 1.050 Präparate entnommen, aus denen eine auf die Herstellung von Transplantaten aus muskuloskelettalen Geweben spezialisierte Berliner Gewebebank mehrere tausend Einzeltransplantate gewinnen kann. Diese werden vor allem beim Wiederaufbau von Knochensubstanz eingesetzt, beispielsweise bei schweren Verletzungen und Brüchen, bei künstlichen Gelenken sowie nach Tumoroperationen.

„Für das kommende Jahr erwarten wir unter anderem die Erlaubnis für die Umsetzung einer Lebendspende“, informierte der ärztliche Geschäftsführer, Dr. Frank-Peter Nitschke (Foto). Dabei geht es um Amnion-Spenden. Nach einer entsprechenden Aufklärung und Zustimmung der schwangeren Frau wird bei einem geplanten Kaiserschnitt der Mutterkuchen, die sogenannte Plazenta gespendet. Diese enthält das wertvolle Amnion, die dünne, gefäßlose innere Eihaut der Fruchtblase, die vor allem in der Augenheilkunde verwendet wird.

Das Kompetenznetzwerk Gewebemedizin wächst
Im Netzwerk der Gewebespende arbeitet die GTM-V inzwischen mit 19 Krankenhäusern zusammen (2016: 16). Neu hinzugekommen sind im vergangenen Jahr Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Zum Jahresbeginn startete die Kooperation mit dem Diakonissenkrankenhaus Leipzig. „Wir haben uns zudem entschieden, in Leipzig einen zweiten Standort zu errichten, in der die Gewebemedizin wie in Mecklenburg-Vorpommern etabliert werden soll. Hintergrund ist die steigende Nachfrage von Transplantationszentren aus der Region“, betonte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Bei qualitativ hochwertigen Transplantaten geht es auch um eine schnelle Verfügbarkeit und um die Vermeidung unnötiger Transporte. Am neuen sächsischen Standort soll am Leipziger Diakonissenkrankenhaus ein eigenes Entnahmeteam aufgebaut und das Netzwerk Schritt für Schritt erweitert werden. Dafür liegen uns schon mehrere Anfragen, unter anderem von Uniklinika vor. Auch deshalb sind kurze Wege sinnvoll.“

Jahresbericht und Transparenz
Für das erste vollständige Geschäftsjahr 2017 wird aktuell ein Jahresbericht erstellt, der anschließend im Internet veröffentlicht werden soll. Im vergangenen Jahr hat sich ferner der hochkarätig besetzte Fachbeirat erweitert, der die gemeinnützige Gesellschaft in ihrer Arbeit kritisch begleitet und kontrolliert. Geleitet wird das Gremium von Frank Ahrend, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost. Weitere Mitglieder sind die Notarin a.D. Hannelore Gamm, der DRK Landesverband MV, vertreten durch seinen Präsidenten Werner Kuhn (MdEP), die Ärztekammer MV, vertreten durch den Präsidenten Dr.  Andreas Crusius, sowie der Theologe und Mediator Stefan Peter.


Rund 40 Herzen hat das Team der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH im vergangenen Jahr entnommen. Bundesweit benötigen kardiologische Patienten die daraus gewonnenen Herzklappen und Blutgefäße. Dr. Frank-Peter Nitschke (re.) bei einer Herzentnahme.
Foto: GTM-V

Krankenhäuser in Hagenow und Ludwigslust beteiligen sich erstmals am Netzwerk für Gewebespenden

Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV
soll Versorgung aller Patienten verbessern

 

Rostock, 21.08.2017 - Seit dem 1. Juni 2017 kooperiert die Westmecklenburg Klinikum Helene von Bülow GmbH mit ihren Krankenhäusern in Hagenow und Ludwigslust in der Gewebemedizin mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH). Die 2015 in Rostock gegründete gemeinnützige Gesellschaft wird von zwei erfahrenen Medizinern aus dem Bereich der Organ- und Gewebespende geleitet. Die GTM-V bedient als eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland das gesamte Spektrum der postmortalen Spende, also der Entnahme von Augenhornhäuten, Knochen, Sehnen, Haut, Herzklappen und Blutgefäßen nach dem Tod.
Geschäftsführer und Stiftspropst Jürgen Stobbe begrüßte die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Gewebemedizin. „Die deutsche Transplantationsmedizin stellt den freien Willen der Betroffenen, die Gemeinnützigkeit und das Wohl der Patienten in den Mittelpunkt. Das hat sich bewährt und wird dem hohen Gut des Lebens gerecht. Für mich ist die Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende nach dem Tod aus christlicher Sicht ein Zeichen der Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Solidarität.“


Bedarf kann nicht gedeckt werden
Die Versorgung von Patienten mit hochwertigen Gewebetransplantaten gestaltet sich allerdings auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der erneuerten gesetzlichen Rahmenbedingungen im Transplantationsgesetz immer noch schwierig. „Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei ca. drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich“, sagte der Geschäftsführende Arzt der GTM-V, der Rostocker Dr. Frank-Peter Nitschke. „Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Von den jährlich etwa 8.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland werden rund 1.000 durch Spenden aus dem Ausland abgedeckt. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zu einer dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität führen. Das muss nicht sein, das wollen wir mit unserem wachsenden Netzwerk ändern“, so Nitschke.

Ansprechpartner für alle Fragen zu Organ- und Gewebespenden in Ludwigslust und Hagenow ist der Transplantationsbeauftragte und Chefarzt für Anästhesie- und Intensivmedizin, Chefarzt Dr. Karsten Matheja (Foto). „Die Kooperation ist für uns ein weitreichender Schritt“, betonte der Facharzt für Anästhesie und Notfallmedizin. „Es ist in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit, sich als Akutklinik für die Grund- und Regelversorgung an einem Netzwerk für Gewebespenden zu beteiligen. Das Konzept, dass Patienten aller Kliniken, egal welcher Größe, von der modernen Gewebemedizin profitieren sollen, hat uns jedoch überzeugt. Uns ist klar, dass die Nachfrage an Gewebetransplantaten aktuell nicht gedeckt werden kann und weiter steigen wird“, so Matheja. „Insofern unterstützen wir den Ansatz, die Versorgung von Patienten aller Altersgruppen mit innovativen Gewebetransplantaten ohne längere Wartezeiten zu verbessern.“

Als moderne medizinische Einrichtungen der Schwerpunktversorgung leisten die Krankenhäuser in Ludwiglust und Hagenow somit im Rahmen der Kooperation künftig ihren eigenen Beitrag, um Gewebespenden zu gewinnen. Dabei treten bei der Organ- und Gewebespende große Unterschiede auf. Bei der Gewebespende spielt das Alter eine geringere Rolle und die entnommenen Transplantate können präpariert und gelagert weitaus länger eingesetzt werden. Seit Beginn der Zusammenarbeit im Juni konnten bereits 16 potenzielle Spender gewonnen und die ersten Entnahmen vorgenommen werden. Die Gewebespenden werden in der Rostocker Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH (GBM-V) zu hochwertigen Transplantaten aufbereitet, die allen Patienten zur Verfügung stehen.

 

Vertrauen und Transparenz sind Grundvoraussetzung
„Das vertrauensvolle Gespräch mit den Angehörigen und die Entnahme der Spenden bei den Verstorbenen erfolgt grundsätzlich mit unseren medizinischen Fachkräften sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Transplantationsbeauftragten und dem Krankenhaus“, unterstrich Dr. Axel Manecke von der GTM-V. „Dabei legen wir sehr viel Wert auf umfassende Informationen über die Gewebespende und Transparenz im Umgang mit menschlichen Transplantaten“, so Manecke weiter. „Unser Ziel ist es, den Bedarf an Gewebespenden zu decken, so dass jeder Patient auch sofort die Hilfe bekommt, die er benötigt. Jeder kann in die Situation kommen, beispielsweise durch einen Verkehrsunfall, auf eine Spende angewiesen zu sein.“
Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. Das Netzwerk an kooperierenden Kliniken besteht vor allem aus Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung in Mecklenburg-Vorpommern. Die größte Einrichtung ist das Klinikum Südstadt in Rostock. „Die moderne Gewebemedizin wird dazu führen, dass auch kleinere Häuser künftig stärker am Fortschritt innovativer Transplantate teilhaben werden, vor allem in der Versorgung chronischer Wunden, aber auch in der Kardiologie“, so Dr. Axel Manecke.

Die Westmecklenburg Klinikum Helene von Bülow GmbH ist ein gemeinsames Unternehmen des Landkreises Ludwigslust-Parchim und des Stift Bethlehem. Das Klinikum versorgt mit seinen Standorten in Ludwigslust und Hagenow und insgesamt 320 Betten die rund 120.000 Einwohner im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

www.wmk-hvb.de

 

 

Transplantationsbeauftragter Oberarzt Dr. Karsten Matheja möchte in seinem Klinikum die Versorgung der Bevölkerung mit Transplantaten verbessern. (Foto: WMK-HVB GmbH)             

Gewebekoordinator Stephan Petrowski bringt eine Kühlbox mit einem Herzen in die Gewebebank. Nach der Entnahme werden dort die Transplantate aufbereitet.

Foto: GBM-V/Barbara Pommerenke

Rostocker Gewebebank erhält als erste Einrichtung in MV Herstellungserlaubnis für humane Herzklappen und Blutgefäße

Enormer Bedarf an hochwertigen kardiovaskulären Transplantaten

1. Juni 2017 - Das Landesamt für Gesundheit und Soziales MV hat der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH (GBM-V) mit Sitz in Rostock im Mai die „Erlaubnis für die Be- oder Verarbeitung, Konservierung, Prüfung, Lagerung, das Inverkehrbringen von Gewebe oder Gewebezubereitungen“ erteilt. Damit ist die Rostocker Einrichtung die einzige Gewebebank in Mecklenburg-Vorpommern, die kardiovaskuläre Transplantate herstellen darf.
Bereits seit zwei Jahren wurden durch die eng mit der GBM-V kooperierende Gesellschaft für Transplantationsmedizin M-V gGmbH (GTM-V), ebenfalls ansässig in Rostock, zwar schon Gewebespenden von Herzen oder Gefäßen entnommen, aber nun können die Transplantate auch in Rostock für den künftigen Empfänger aufbereitet werden. Vorher haben das vertraglich gebundene Gewebebanken außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns übernommen. „Der Bedarf an hochwertigen Herzklappen- und Gefäßtransplantaten ist enorm“, sagt der ärztliche Geschäftsführer Dr. Axel Manecke von der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH. „Das liegt insbesondere an der älter werdenden Gesellschaft, aber auch am medizinischen Fortschritt, der Operationen zunehmend auch im höheren Alter möglich macht.“

Die Entnahme von
kardiovaskulärem Gewebe ist bis zu 36 Stunden nach dem Eintreten des Herz-Kreislaufstillstandes möglich. Die Gewinnung  von Organen und Geweben des Spenders erfolgt durch einen Eingriff, der mit einer Operation am lebenden Patienten vergleichbar ist. „Nur mit größter Sorgfalt entnommene Organe bzw. Gewebe können in der Folge wieder transplantiert werden. Die hergestellten Gewebezubereitungen, Herzklappen und Gefäße, sind bei Temperaturen unter - 130 °C in Stickstoff fünf Jahre lagerbar. Da die Nachfrage jedoch sehr hoch ist, wird die Lagerungszeit in der Regel nicht ausgeschöpft“, erläuterte Dr. Frank-Peter Nitschke, ärztlicher Geschäftsführer der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH.

 

Spenderaufkommen soll deutlich erhöht werden
Die Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) stellt derzeit Gewebezubereitungen aus Augenhornhäuten, Herzklappen und Gefäßen nach herkömmlichen klassischen Verfahren her. Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. Diese sollen im laufenden Jahr mehr als verdoppelt werden. „Wir sehen unsere Aufgabe auch im Werben um eine hohe Spendenbereitschaft durch eine aktive Informations- und Aufklärungsarbeit. Im Notfall möchte jeder, dass ihm schnell geholfen werden kann“, betonte Nitschke.
In Zukunft wird die GBM-V gGmbH vorrangig neue, innovative und zukunftsorientierte Technologien zur Herstellung von Transplantaten aus Herzklappen, Haut und anderen Geweben etablieren. Die erforderlichen Erlaubnis- und Genehmigungsverfahren sind bereits in Vorbereitung. Dazu kooperiert die gemeinnützige Gesellschaft mit dem britischen Biotechnologieunternehmen Tissue Regenix. Die Tissue Regenix Group plc ist eine international führende Firma in der Entwicklung von regenerativen Implantaten auf der Basis zellfreier Gewebegerüste (tissueregenix.com).


#Hintergrund
Die Gewebemedizin stellt einen bedeutenden Teilbereich der Transplantationsmedizin dar. Schätzungsweise 52.000 Gewebetransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt, weitaus mehr als Organtransplantationen. 2016 erhielten bundesweit 3.049 Patienten ein Spenderorgan. Im Gegensatz zur Organspende werden die Gewebe nicht gleich verpflanzt. In Gewebebanken werden aus den entnommenen Gewebepräparaten qualitativ hochwertige Gewebetransplantate hergestellt. In der medizinischen Versorgung werden vor allem Herzklappen, Blutgefäße, Augenhornhäute, Knochen, Sehnen, Faszien sowie Amnionmembranen und Haut nach Aufbereitung  zu Gewebetransplantaten eingesetzt.

Die Versorgung von Patienten mit Gewebezubereitungen ist auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist noch gravierender. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen, Verlust der Sehkraft) führen.

In Deutschland sind derzeit ca. 20 Einrichtungen mit einer Erlaubnis für die Gewinnung von Gewebe im Bereich der Spende aktiv. Die Spenderprogramme sind universitär (11), in gGmbH (6) oder  GmbH (3) organisiert. Die Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern kooperiert im Bereich der Gewebespende mit der GTM-V.

 

 

 

Rostock, 2. Januar 2017

 

Aufwändige Herzentnahmen sichern besonders hochwertige Gewebepräparate

532 Patienten mit Augenproblemen in ganz Deutschland profitierten im vergangenen Jahr von der 2015 neu gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock. Insgesamt wurden 741 Hornhäute in 2016 durch Gewebespenden entnommen.
„Wir haben damit auf Anhieb sieben Prozent des bundesweiten Bedarfes gedeckt“, betonte der ärztliche Geschäftsführer Dr. Axel Manecke. „Mit unserer Gewebebank haben wir den unnötigen Wartezeiten für Patienten den Kampf angesagt und sind ein gutes Stück vorangekommen. Unser Ziel ist, ohne jede zeitliche Verzögerung den Betroffenen umgehend die erforderlichen Gewebetransplantate bereit zu stellen.“ Darüber hinaus hat sich die GTM-V mit der Entnahme von Herzen bei Herzkreislauf-Verstorbenen als neue Ressource für die Bereitstellung von Herzklappen und Blutgefäßen einen Namen in den Transplantationszentren gemacht. Dabei gewährleisten die Rostocker in einem aufwändigen Entnahmeverfahren eine hohe Qualität der kardiovaskulären Gewebepräparate. Dieses Verfahren kommt in Deutschland kaum zur Anwendung.

Nur ein Jahr nach der Gründung hatte die Rostocker Gewebebank im September 2016 von der Arzneimittelüberwachungs- und -prüfstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales MV (LAGuS M-V) die Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten erhalten. Das ist die Grundvoraussetzung, um entnommene Gewebe bearbeiten, konservieren, lagern sowie anschließend als verpflanzbare Transplantate  Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren zur Verfügung stellen zu können. „Wir sind schon stolz, dass wir im letzten Quartal mit dieser Genehmigung bereits 80 selbst präparierte Augenhornhäute in hoher Qualität zur Transplantation bundesweit verteilen konnten. In diesem Jahr wollen wir rund 1.100 Augenhornhäute im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) aufbereiten“, sagte Dr. Frank-Peter Nitschke, ärztlicher Geschäftsführer der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH. Während der Gesetzgeber eine Präparationszeit innerhalb von 72 Stunden nach der Entnahme vorschreibt, werden die Hornhäute in Rostock bereits nach 16 bis 24 Stunden für die Transplantation vorbereitet, was die Qualität der Transplantate maßgeblich erhöht. Aufgrund der positiven Entwicklung wurden inzwischen zwei neue Fachkräfte für die Herstellung von Gewebetransplantaten in der Gewebebank eingestellt.

Eine Entnahme, großer Nutzen für viele Patienten
Im ersten Jahr des Bestehens wurden neben den Augenhornhautentnahmen auch 56 Entnahmen von Knochengewebe und 27 von Herzklappen und Blutgefäßen vorgenommen. „Aus den 56 Knochenspenden haben wir der kooperierenden Berliner Gewebebank (DIZG/dizg.de) 667 Präparate bereitgestellt, mit denen wiederrum mehr als tausend Patienten direkt geholfen werden kann, insbesondere nach Unfällen und Krebsoperationen“, so Dr. Frank-Peter Nitschke. „Eine hohe Spendebereitschaft in der Gesellschaft bedeutet auch, dass jedem Menschen in einem Notfall geholfen werden kann“, unterstrich der Mediziner.

Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. In 27 Prozent der Meldungen konnten die Mitarbeiter der GTM-V eine oder mehrere Gewebeentnahmen verwirklichen. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei etwa zehn Prozent. „Das ist ein Erfolg, weil wir auf eine enge Vernetzung und Rückkopplung Wert legen sowie die Organisation vor Ort durch erfahrene Transplantationsärzte erfolgt“, so Nitschke. „Wir prüfen jeden potenziellen Spender genau, auch wenn eine Gewebeentnahme aufgrund der Erkrankung und Todesfolge auf dem ersten Blick als kritisch eingeschätzt wird. In den Gesprächen mit den Angehörigen erhalten wir gegenwärtig eine Zustimmung für eine Gewebespende von durchschnittlich 41 Prozent. Diese wollen wir in den kommenden Jahren deutlich erhöhen.“

Kleinere Krankenhäuser sind jetzt einbezogen
Das Netzwerk an kooperierenden Kliniken besteht vor allem aus kleineren Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung, so unter anderem aus Ribnitz-Damgarten, Pasewalk, Bützow, den DRK-Krankenhäusern und Schwedt. Die größte Einrichtung ist das Klinikum Südstadt in Rostock. „Diese Kliniken leisten mit ihren Experten einen sehr engagierten Beitrag für die Bereitstellung dieser Ressourcen für alle Patienten. Die moderne Gewebemedizin wird dazu führen, dass auch kleinere Häuser künftig stärker am Fortschritt innovativer Transplantate teilhaben werden, vor allem in der chronischen Wundversorgung“, so Dr. Axel Manecke. „Gewebemedizin ist längst kein Thema mehr nur für Uniklinika.“ 
Anfang des Jahres erwartet die Rostocker Gewebebank die Genehmigung für die Aufbereitung von kardiovaskulärem Gewebe wie Herzklappen und Blutgefäßen und Mitte des Jahres die für die Herstellung dezellulärer (zellfreier) Herzklappen nach neuesten Verfahren. Darüber hinaus wird mit  weiteren Krankenhäusern, Uniklinika und Forschungseinrichtungen über mögliche Kooperationen verhandelt, um das Netzwerk gezielt auszubauen.
Ein Alleinstellungsmerkmal der Rostocker Transplantationsmediziner soll darüber hinaus noch intensiver genutzt werden - die Entnahme von Herzen zur Gewinnung hochwertiger Transplantate. „Bislang haben wir einen Sektionssaal im Klinikum Südstadt Rostock in einen OP umfunktionieren können, um dort ganze Herzen von normal verstorbenen Menschen oder nicht geeigneten Organspendern entnehmen zu können“, erläuterte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Das ist sehr aufwändig, aber die Entnahme der Herzklappen oder Gefäße außerhalb des Prozesses der Organspende trägt maßgeblich zur Verbesserung der Versorgung der Patienten bei. Diese Transplantate sind deshalb besonders begehrt in herz- und gefäßchirurgischen Kliniken“, so Nitschke. „Unsere Aufgabe ist Leben retten mit hochwertigen Gewebetransplantaten.“

Hintergrund: Die Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten ist auch neun Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen) führen.

Rostocker Gewebespende und Gewebebank mit erfolgreichem ersten Jahr

 

Presseinformation


Rostocker Gewebebank erhält Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten

Über 1.000 Spenden pro Jahr geplant - bessere Versorgung für Patienten mit Sehproblemen

Rostock, 17. August 2016 - Nur ein Jahr nach der Gründung hat die gemeinnützige Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock von der Arzneimittelüberwachungs- und -prüfstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales MV (LAGuS M-V) die Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten erhalten. Das ist die Grundvoraussetzung, um entnommene Gewebe bearbeiten, konservieren, lagern sowie anschließend als verpflanzbare Transplantate  Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren zur Verfügung stellen zu können. Direkt davon hängt auch die Genehmigung für die Abgabe von Gewebetransplantaten der aufbereiteten Spenden ab, die für Ende August vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut in Langen (PEI) erwartet wird.

„Damit können wir endlich durchstarten und die gewonnenen Augenhornhäute selbst aufbereiten und zügig an die Kliniken ausreichen“, freute sich Geschäftsführer Dr. Frank-Peter Nitschke über die wichtige Herstellungserlaubnis. „Durch die hervorragende Vorarbeit unseres Teams und den Aufbau eines funktionierenden Spenderprogrammes können wir nun jährlich ca. rund 1.000 Augenhornhäute für Patienten mit ernsthaften Augen- und Sehproblemen bereitstellen. Damit werden zumindest in Mecklenburg-Vorpommern künftig keine Wartezeiten mehr entstehen“, so Nitschke. 

Derzeit werden die logistischen Voraussetzungen für die im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock ansässige Gewebebank geschaffen. Ab September dieses Jahres können Augenärzte über eine Online-Anfrage schnell und unkompliziert Augenhornhäute für ihre Patienten anfordern. Bislang wurden die gespendeten und von Fachkräften der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) entnommenen Augenhornhäute, rund 520 seit Jahresbeginn, noch in externen Gewebebanken aufbereitet. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt die Gewebespenden unserer mittlerweile elf Kooperationspartner direkt selbst für die Empfänger aufbereiten können“, betonte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Wir sind mit weiteren Kliniken und auch Universitäten in Verhandlung, um unser Netzwerk zu erweitern. „Unserem Ziel einer besseren Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten bei Vermeidung von unnötigen Wartezeiten kommen wir jeden Tag näher.“

Die Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten ist auch neun Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen) führen.

Innovative Transplantate auch für kleinere Kliniken
Aktuell laufen weitere Herstellungs- und Genehmigungsverfahren, um auch alle anderen Gewebespenden in Eigenregie vor Ort weiterverarbeiten zu können. Das betrifft herkömmliche und neue Technologien für Herzklappen, Gefäße, Herzbeutel, Amnion (Eihaut der Fruchtblase) und Haut.
„Mit der Vorlage aller Genehmigungen wird die Rostocker Gewebebank künftig als eine von wenigen Einrichtungen in Deutschland ein sehr vielschichtiges Spektrum der humanen Gewebetransplantate abdecken“, sagte Dr. Andreas Knipper, Leiter Regulatory Affairs (Arzneimittelzulassungen) der GBM-V.

Darüber hinaus ist vorgesehen, durch eine Kooperation mit dem britischen Medizinunternehmen Tissue Regenix alle, vor allem auch kleinere Krankenhausstandorte mit innovativen Gewebetransplantaten zu versorgen. Die Tissue Regenix Group plc (
www.tissueregenix.com) ist eine international führende Firma in der Entwicklung von regenerativen Implantaten auf der Basis zellfreier (dezellulärer) Gewebegerüste. Erstmals hat die Tissue Regenix Anfang des Jahres mit der Rostocker Kooperation ihre Lizenzen einer europäischen Gewebebank zur Verfügung gestellt. Auch dafür laufen gegenwärtig weitere Genehmigungsverfahren. Die hochwertigen Gewebetransplantate ermöglichen den Empfängern ein wesentlich besseres Langzeitergebnis, da sie vom Empfänger nicht mehr als fremd erkannt werden und somit deutlich geringere bzw. keine Abstoßungsreaktionen zeigen.

„Um eine hohe Sicherheit für unsere Patienten zu garantieren, wurde das Medizinische Labor Rostock
  vom Landesamt für Gesundheit und Soziales MV mit der Diagnostik der Augenhornhauttransplantate beauftragt“, informierte Nitschke. Das Rostocker Labor wird regelmäßig mikrobiologische Untersuchungen zur Prüfung der Sterilität und Keimfreiheit der Transplantate der Rostocker Gewebebank vornehmen. „Unser Labor führt seit 2015 die gesamte mikrobiologische und virologische Diagnostik im Bereich Gewebemedizin durch“, so Dr. Michael Steiner, Ärztlicher Leiter des Labors. „Insbesondere für die Gewebetransplantate sind alle Untersuchungsverfahren geprüft worden, damit höchste Sicherheit für die Transplantatempfänger gewährleistet ist.“

 


#Hintergrund Augenspende
Die Hornhaut-Transplantation ist die älteste und inzwischen die häufigste und erfolgreichste Verpflanzung eines Gewebes beim Menschen. Die erste erfolgreiche Hornhauttransplantation führte bereits 1905 der österreichische Augenarzt Dr. Eduard Zirm durch.
Die Hornhaut des Auges (Cornea) bezeichnet man auch als die Windschutzscheibe des Auges. Eine gleichmäßig gekrümmte und völlig klare Hornhaut führt zu einem klaren Sehen. Erkrankungen der Augenhornhaut (Hornhautkrümmungen oder Hornhauttrübungen) können verschiedene Ursachen haben und führen unbehandelt über eine herabgesetzte Sehschärfe letztendlich zur Erblindung. Eine Hornhauttransplantation kann Patienten vor einer Erblindung bewahren oder ihnen das Augenlicht zurückgeben. Dabei wird die erkrankte Hornhaut des Patienten oder Teile von ihr durch eine Spenderhornhaut ersetzt.
Von den jährlich etwa 8.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland werden rund 1.000 durch Spenden aus dem Ausland abgedeckt. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Hornhauttransplantationen zukünftig auf ca. 12.000 jährlich steigen wird.


Foto GBM-V/Joachim Kloock:
Eine Mitarbeiterin in der Gewebebank präpariert eine Hornhaut. In den Gewebebanken können die Gewebezubereitungen je nach Gewebetyp und Konservierungsmethode unterschiedlich lange aufbewahrt werden. Die Lagerdauer für Augenhornhäute beträgt bis zu 35 Tage.



 

Aktuelles


26. April 2016

Die GTM-V ist jetzt auch bei Facebook zu finden. Besuchen Sie unsere Facebookseite und informieren Sie sich. Gerne können Sie Fragen rund um das Thema Transplantationsmedizin stellen - wir stehen gerne Rede und Antwort.

 


22. Januar 2016

Auf Initiative der GTM-V gründete sich satzungsgemäß der Beirat, der in transparenter Art und Weise die Aufsicht und Kontrolle über die gesellschaftlich und gesundheitspolitisch relevanten Aktivitäten und Tätigkeiten der Gesellschaft ausüben wird.

Der Beirat besteht aus Vertretern gesundheitspolitischer Institutionen. Den Vorsitz bekleidet Herr F. Ahrend, Geschäftsführer der AOK–Nordost, seine Stellvertretung übernimmt Herr Dr. med. Crusius, Präsident der Ärztekammer MV.


24. Juni 2015

Änderung der Festnetznummern

Sie erreichen uns ab sofort telefonisch unter 0381/ 444 30 50 oder per Fax unter 0381/ 444 30 525.


27. Mai 2015

Die GTM-V hat als erste Einrichtung im Bereich der postmortalen Spende eine Erlaubnis für die Gewinnung von Gewebe gemäß § 20 b Abs. 1 Arzneimittelgesetz (AMG) in Mecklenburg-Vorpommern bescheinigt bekommen.