Organ- und Gewebespende in der Patientenverfügung – im Ernstfall ein konfliktträchtiges Thema

Informationsblatt klärt auf und soll Missverständnisse verhindern

Patientenverfügungen dienen der Vorbeugung von Rechtsstreitigkeiten. Sie sollen eigentlich im Ernstfall für Klarheit sorgen, um kritische Versorgungsfälle im Sinne des Betroffenen zu regeln. Aber gerade in Bezug auf eine mögliche Organ- oder Gewebespende kommt es regelmäßig zu Missverständnissen und Konflikten.

Die Transplantationsmediziner und Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH), Dr. Axel Manecke und Dr. Frank-Peter Nitschke, haben in Kooperation mit der Notarkammer Mecklenburg-Vorpommern und dem Notar Dr. Albert Block dazu ein neues Informationsblatt erstellt. Dieses enthält Regelungen und Formulierungsvorschläge zur Organ- und Gewebespende in Patientenverfügungen und soll dadurch im Ernstfall Konflikte in der Umsetzung des Patientenwillens verhindern. Gleichzeitig dient es zur Information über das Thema der Spende von Organen und Geweben nach dem Tod. „Die Qualität einer Patientenverfügung ist unter anderem daran zu erkennen, ob der bestehende Konflikt zwischen Organspende und Patientenverfügung im Interesse des Mandanten klar geregelt worden ist“, sagte Dr. Albert Block.

 

Patientenverfügung verhindert oftmals eine Organ- und Gewebespende

Nahezu alle im Internet abrufbaren Formulierungsvorschläge von Patientenverfügungen, gleichgültig ob von offizieller Stelle oder von privaten Drittanbietern, sprechen die Möglichkeit einer Organ- und/oder Gewebespende und insbesondere auch deren mögliche Differenzierung nicht an. Aufgrund der inhaltlich unvollständigen Formulierungen in den Patientenverfügungen und allgemeiner Informationsdefizite kommt es häufig zur Ablehnung einer Organ- und Gewebespende – oftmals auch entgegen der Entscheidung der Verstorbenen.
„Ein entscheidender Konfliktpunkt in Patientenverfügungen ist der Begriff der Therapielimitierung zur Vermeidung einer Lebensverlängerung bei Patienten. Hier wird der Begriff ‚Therapie‘ gleichgesetzt mit Maßnahmen, die sowohl zur Durchführung einer Hirntoddiagnostik dienen, als auch im Falle einer Organentnahme zur Aufrechterhaltung der Organfunktionen nach dem Hirntod“, erklärte Dr. Frank-Peter Nitschke.

Ein Mensch verstirbt, wenn die Organfunktionen versagen, in der Regel durch ein Herzversagen. Ursächlich kann hierfür jedoch auch das Ausfallen anderer Organe sein. Bei einer schweren, nicht behandelbaren Schädigung des Gehirns mit folgendem unumkehrbaren Funktionsausfall kommt es ebenfalls letztendlich zu einem Herzversagen. Gehirnschädigungen können und müssen eindeutig diagnostiziert werden. Hier wird bei diesem nichtumkehrbaren Funktionsausfall die Diagnose Hirntod gestellt. „Diese Diagnose kann jedoch nur gestellt werden, wenn unter intensivmedizinischen Maßnahmen eine Herz-Kreislauffunktion aufrechterhalten wird“, betonte der Transplantationsmediziner. „Diese stellen keine Therapiemaßnahme dar.“

Nach Eintreten des Hirntodes muss der Wille des Verstorbenen bzw. der Angehörigen zu einer Organ- bzw. Gewebespende in Erfahrung gebracht werden. Im Falle einer Zustimmung zu einer Organspende stellen die herz- und kreislaufunterstützenden Behandlungen bis zur Organentnahme ebenfalls keine Therapie dar.  Somit stehen auch die in Patientenverfügungen festgelegten Therapielimitierungen nicht im Widerspruch zu einer Organ- bzw. Gewebespende. „Viele Ärzte gehen aktuell jedoch davon aus, dass die Patientenverfügung aufgrund ihrer höheren Wertigkeit eine Organ- oder Gewebeentnahme ausschließt, auch wenn die Bereitschaft hierzu vorliegt. Es geht im Kern also um eine Klärung der Begrifflichkeiten“, hob Nitschke hervor. 

Das neue Informationsblatt (s. Anlage) enthält grundsätzliche Hinweise und Regelungen zur Organ- und Gewebespende in Patientenverfügungen sowie Formulierungsvorschläge, die den Willen im Erkrankungs- und Sterbefall deutlich machen. Darüber hinaus wird über häufige Fragen und Irrtümer aufgeklärt. „Eine Konkretisierung der Begriffe in Patientenverfügungen ist zwingend notwendig. Dafür haben wir konkrete Vorlagen* erarbeitet, die unnötige Kontroversen in einer schwierigen Phase für alle Beteiligten verhindern sollen“, unterstrich auch Dr. Axel Manecke.
„Die Übersicht zu der Problematik von Organ- und Gewebespenden in Patientenverfügungen ist gleichermaßen für unsere Mandanten und Notarkollegen geeignet, um sich mit der Thematik vertraut zu machen und die notariellen Urkunden bei Bedarf entsprechend anzupassen“, betonte der Geschäftsführer der Notarkammer Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Niclot von Stralendorff. „Aus diesem Grunde haben wir die Informationsblätter bundesweit an alle Notarkammern versendet.“ 

Den eigenen Willen klar dokumentieren


Über 10.000 Patienten warten gegenwärtig in Deutschland sowohl auf ein Organ- als auch auf ein Gewebetransplantat. Die Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, nach dem Tod das Thema der Spende von Organen und Geweben mit den Angehörigen zu besprechen. Allgemein steht die Bevölkerung diesem Thema positiv gegenüber. In der Praxis sieht es aber anders aus, bei ca. 80 Prozent der realisierten Spenden ist der Wille des Verstorbenen nicht bekannt. Hier kommt der Patientenverfügung als ein Werkzeug der Bekundung des Selbstbestimmungsrechtes eines jeden Menschen eine wichtige Bedeutung zuteil. In der Patientenverfügung kann die Bereitschaft für oder gegen eine Organ- und Gewebespende hinterlegt werden. In den letzten Jahren hat die Zahl der Erstellung von Patientenverfügungen deutlich zugenommen. Häufig bleibt die Frage nach einer Spende nach dem Tod dort unbeantwortet oder wird nur für die Organspende geregelt, nicht jedoch für die Gewebespende.
„Die Angst vieler Mandanten vor einer Regelung der Organ- und Gewebespende ist aus Sicht eines Notars völlig unbegründet. Das deutsche Transplantationsgesetz stellt an die Organ- und/oder Gewebespende die höchsten Maßstäbe und gibt einen rechtsicheren Rahmen vor“, so Dr. Albert Block. „Der Notar als Organ der vorsorgenden Rechtspflege soll dabei den Willen der Mandanten – insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Kollision der Patientenverfügung mit dem Wunsch nach einer Organ und/oder Gewebespende – ermitteln und einer interessengerechten Lösung zuführen.“

Mit der Veröffentlichung des Informationsblattes erneuern die beiden Transplantationsmediziner ihren Appell an alle Menschen, sich zu Lebzeiten mit diesem Thema auseinanderzusetzen, eine klare Entscheidung zu treffen und diese zu dokumentieren, damit im Todesfall die Angehörigen den Willen des Verstorbenen entsprechend umsetzen können. „Das Informationsblatt soll mithelfen, über die Organ- und Gewebespende zu informieren, Missverständnisse zwischen der Therapielimitierung zur Vermeidung einer Lebensverlängerung und der Bereitschaft zur Spende von Organen und Gewebe auszuräumen“, erklärten Nitschke und Manecke.


Hintergrund

Die Transplantationsmedizin unterscheidet eine Organ- von einer Gewebespende. In der Bevölkerung ist dagegen häufig nur die Organspende bekannt, obwohl die Gewebespende seit 2007 im bundesweiten Transplantationsgesetz juristisch mit verankert ist und weitaus häufiger vorkommt. Mehr als ca. 56.000 Gewebetransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt. 2018 gab es bundesweit 955 Menschen, die nach ihrem Tod Organe gespendet haben. Irreführend ist auch die Bezeichnung „Organspendeausweis“, in dem die Menschen ihren Willen sowohl zur Organ- als auch zur Gewebespendebereitschaft dokumentieren können.

Die 2015 in Rostock gegründete Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) ist eine gemeinnützige Gesellschaft. Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke und ist im nichtkommerziellen Bereich der Gewebemedizin tätig. Als einer der zentralen Ansprechpartner im Bereich der Gewebespende im Nordosten Deutschland erhielt die GTM-V im vergangenen Jahr 3.351 Meldungen von potenziellen Spendern.

In der Patientenverfügung wird eigenverantwortlich geregelt, welche ärztlichen Maßnahmen im Falle einer Erkrankung oder eines Unfalles erwünscht sind und welche nicht. Mit einer Vorsorgevollmacht wird jemand beauftragt, dies stellvertretend umzusetzen, wenn man dazu selbst nicht mehr in der Lage ist.

 

*Vorschläge zur Regelung des Spannungsverhältnisses zwischen Organ/Gewebespende und Patientenverfügung [Auszug]

a) Regelung zur Organ- und Gewebespende
„Ich stimme einer Entnahme meiner Organe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken zu. Komme ich nach ärztlicher Beurteilung bei einem sich abzeichnenden Hirntod (sog. vermuteter Hirntod) als Organspender in Betracht und müssen dafür ärztliche (insb. intensivmedizinische) Maßnahmen durchgeführt werden, die ich in meiner Patientenverfügung ausgeschlossen habe, gestatte ich ausnahmsweise für den Fall, dass bei mir eine Organspende medizinisch in Frage kommt, die kurzfristige (Stunden bis höchstens wenige Tage umfassende) Durchführung dieser Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntodes nach den Richtlinien der Bundesärztekammer und zur anschließenden Entnahme der Organe.
Unabhängig von meiner Organspendeverfügung bin ich ausdrücklich mit der Spende meines Gewebes (z. B. Herzklappen, Hornhaut, Knochen, Bindegewebe, Blutgefäße etc.) nach meinem Tod zu Transplantationszwecken einverstanden.“
b) Konkretisierung intensivmedizinische Maßnahmen
„... Kommt eine Organspende medizinisch in Frage, gestatte ich die kurzfristige Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen, wobei diese aber nicht länger als *** Stunden fortgeführt werden sollen.“

 

s. Download: Informationsblatt Patientenverfügung zur Organ- und Gewebespende

 

 

 

Mehr als 10.000 Patienten in Deutschland warten zurzeit sowohl auf ein Organ- als auch auf ein Gewebetransplantat. In der Gewebebank Rostock im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) werden aus einem entnommenen Herzen hochwertige Transplantate aufbereitet, vor allem Herzklappen.

Foto: GTM-V

Standort Neuruppin (Brandenburg)

Gesucht wird ein Koordinator (m/w/d) für die Gewebespende in Neuruppin.

Koordinator/in für Gewebespende (m/w/d)
(Arzt/Ärztin)

Alternativberufe
Pflegewissenschaftler/in
Biologe/Biologin

Stellenbeschreibung
Die Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg – Vorpommern gGmbH (GTM-V) ist eine 2015 gegründete, gemeinnützige Einrichtung, die auf dem Gebiet der Gewebemedizin tätig ist. Die GTM-V kooperiert deutschlandweit mit Kliniken, Gewebebanken und transplantierenden Einrichtungen.

Zur Unterstützung unseres Teams suchen wir:

Koordinator/in für Gewebespende
Vollzeit ab sofort

- Standortleitung, Koordination der Gewebespende vor Ort
- Selbstständiges und gewissenhaftes Bearbeiten der Meldungen von potenziellen Spendern aus den kooperierenden Kliniken
- Kommunikation mit medizinischen und pflegerischen Fachkräften dieser kooperierenden Einrichtungen
- Durchführung der medizinischen Indikationsprüfung in Zusammenarbeit mit der ärztlichen Leitung
- Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Gewebeentnahmen
- fundierte Einarbeitung in Rostock

zwingend erforderlich
- Abgeschlossenes (Fach-) Hochschulstudium im medizinischen oder naturwissenschaftlichen Bereich
(Medizin, Pflegewissenschaften und -management, Biologie, medizinische Biotechnologie o.ä.)
- Eigenverantwortliches Arbeiten im Sinne unseres Unternehmens
- Gültiger Führerschein der Klasse B mit Fahrpraxis
- Engagement und Flexibilität, Bereitschaft zur Arbeit im Rufbereitschaftsdienst (inkl. Wochenende und Feiertage)

wünschenswert
- Ausgeprägte Team- und Kommunikationsfähigkeit
- Souveränes, freundliches und kommunikatives Auftreten


Arbeitsort
Neuruppin, Brandenburg, Deutschland


Konditionen des Stellenangebots
Arbeitszeit Vollzeit
Bereitschaft zur Arbeit im Rufbereitschaftsdienst (inkl. Wochenende und Feiertage)
Befristetes Arbeitsverhältnis bis 31.12.2021, eine spätere Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ist möglich



Kontakt
Rückfragen und Bewerbungen an
GTM-V Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern GmbH
Frau Anita Toelk
Wilhelm-Külz-Platz 3
18055 Rostock
Tel: +49 (3 81) 4 44 30 50
E-Mail: anita.toelk@gtm-v.de
Weitere Informationen unter www.gtm-v.de

 

Gewünschte Bewerbungsart
Per E-Mail

 

 

 

Standort Leipzig

Gesucht wird ein Koordinator (m/w/d) für die Gewebespende an unseren Zweigstandort am Ev. Diakonissenkrankenhaus in Leipzig.

Koordinator/in für Gewebespende (m/w/d)
Gesundheits- und Krankenpfleger/in


Alternativberufe
Medizinische/r Fachangestellte/r
Biologe/Biologin

Tätigkeitsumfang
- Selbstständiges und gewissenhaftes Bearbeiten von Spendermeldungen
- Kommunikation mit medizinischem Personal kooperierender Einrichtungen
- Durchführung der medizinischen Indikationsprüfung in Zusammenarbeit mit den ärztlichen Leitern
- Organisation und selbstständige Durchführung von Gewebeentnahmen

Anforderungsprofil
zwingend erforderlich:
- Abgeschlossene Berufsausbildung im medizinischen Bereich (Gesundheits- und Krankenpfleger/Operationstechnischer Assistent o.ä.) oder Studium der Biologie bzw. Medizinische Biotechnologie
- Gültiger Führerschein der Klasse B mit entsprechender Fahrpraxis
- Engagement und Flexibilität, Bereitschaft zur Arbeit im Rufbereitschaftsdienst (inkl. Wochenende und Feiertage)


Wünschenswert
- Ausgeprägte Team- und Kommunikationsfähigkeit
- Souveränes und freundliches Auftreten

Arbeitsort
04177 Leipzig, Sachsen, Deutschland


Konditionen des Stellenangebots
Arbeitszeit Vollzeit
Bereitschaft zur Arbeit im Rufbereitschaftsdienst (inkl. Wochenende und Feiertage)
Unbefristetes Arbeitsverhältnis

Kontakt
Rückfragen und Bewerbungen an
GTM-V Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern GmbH
Frau Anita Toelk
Wilhelm-Külz-Platz 3
18055 Rostock
Tel: +49 (3 81) 4 44 30 50
E-Mail: anita.toelk@gtm-v.de
Weitere Informationen unter www.gtm-v.de

 

 

Gewünschte Bewerbungsart
Per E-Mail

Standort Rostock

Gesucht wird ein Koordinator (m/w/d) für die Gewebespende in Rostock.

Koordinator/in für Gewebespende (m/w/d)
Gesundheits- und Krankenpfleger/in


Alternativberufe
Medizinische/r Fachangestellte/r
Medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in

Tätigkeitsumfang
- Selbstständiges und gewissenhaftes Bearbeiten von Spendermeldungen
- Kommunikation mit medizinischem Personal kooperierender Einrichtungen
- Durchführung der medizinischen Indikationsprüfung in Zusammenarbeit mit den ärztlichen Leitern
- Organisation und selbstständige Durchführung von Gewebeentnahmen
- Eigenständige Präparation humaner Herzklappen

Anforderungsprofil
zwingend erforderlich:
- Abgeschlossene Ausbildung im medizinischen Bereich
- Gültiger Führerschein der Klasse B mit entsprechender Fahrpraxis
- Engagement und Flexibilität, Bereitschaft zur Arbeit im Rufbereitschaftsdienst (inkl. Wochenende und Feiertage)

Wünschenswert
- Ausgeprägte Team- und Kommunikationsfähigkeit
- Souveränes und freundliches Auftreten

Arbeitsort
Wilhelm-Külz-Platz 3, 18055 Rostock

Konditionen des Stellenangebots
Arbeitszeit Vollzeit
Bereitschaft zur Arbeit im Rufbereitschaftsdienst (inkl. Wochenende und Feiertage)

Befristung
Befristetes Arbeitsverhältnis bis 31.12.2021, eine spätere Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ist möglich

Kontakt
Rückfragen und Bewerbungen an
GTM-V Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern GmbH
Frau Anita Toelk
Wilhelm-Külz-Platz 3
18055 Rostock
Tel: +49 (3 81) 4 44 30 50
E-Mail: anita.toelk@gtm-v.de
Weitere Informationen unter www.gtm-v.de

 

 

Gewünschte Bewerbungsart
Per E-Mail

 

Gesucht: studentische Hilfskräfte für die Standorte Rostock und Leipzig

 

Jeweils für den Standort Rostock und Leipzig:

 

Wir sind eine 2015 gegründete, gemeinnützige Einrichtung, die auf dem Gebiet der Gewebespende tätig ist. Dabei kooperieren wir deutschlandweit mit Gewebebanken und Krankenhäusern. Zur Unterstützung unseres Teams suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt:

 

Studentische Hilfskraft m/w/d

 

Koordinator(in) Gewebespende auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung

 

Die monatliche Arbeitszeit beträgt maximal 45 Stunden.

 

Ihre Aufgaben

 

- Unterstützung der Koordinatoren im (postmortalen) Spendeprozess und bei der

 

Entnahme von Geweben

 

 

Ihr Profil

 

- Engagement und Flexibilität

 

- anatomisches/medizinisches Grundwissen von Vorteil

 

- Standfestigkeit

 

- gültiger Führerschein der Klasse B mit entsprechender Fahrpraxis

 

- Bereitschaft zu Wochenendarbeit

 

Wir freuen uns auf Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen mit Angaben zum

 

frühestmöglichen Eintrittstermin per Mail an Dr. Axel Manecke bzw. Dr. Frank-Peter Nitschke

 

(anita.toelk@gtm-v.de).

 

 

Bewerbungsschluss ist der 30.06.2019

 

 

 

 

DRK-Krankenhäuser in MV tragen aktiv zur Verbesserung der Patientenversorgung mit Gewebespenden bei

Grevesmühlen, Grimmen, Neustrelitz und Teterow - mehr als 1.000 Spendermeldungen und rund 300 Gewebespenden

 

18.12.2018

Die vier DRK-Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern gehörten zu den ersten Kliniken im Nordosten, die vor drei Jahren Neuland in der Gewebemedizin betreten haben. Seit Oktober 2015 kooperieren die modernen Häuser der Grund- und Regelversorgung in Grevesmühlen, Grimmen, Neustrelitz und Teterow mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH).
Die 2015 in Rostock gegründete gemeinnützige Gesellschaft bedient als eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland das gesamte Spektrum der postmortalen Spende, das heißt, der Entnahme von Augenhornhäuten, Knochen, Sehnen, Haut, Herzklappen und Blutgefäßen nach dem Tod. In den ersten drei Jahren der Zusammenarbeit mit den DRK-Kliniken konnten insgesamt bislang 1.155 Spendermeldungen und 299 Gewebespenden realisiert werden.

„Unsere DRK-Krankenhäuser haben mit ihren Transplantationsbeauftragten sowie den Mitarbeitern vor Ort erheblich dazu beigetragen, die Patientenversorgung mit hochwertigen Gewebetransplantaten zu verbessern und die Wartezeiten zu verringern“, betonte der Präsident des DRK-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Werner Kuhn. „Dafür gebührt allen Spendern und ihren Familien und den Ärzten und Pflegefachkräften in Grevesmühlen, Grimmen, Neustrelitz und Teterow ein großes Dankeschön. Wir nehmen den Mehraufwand für die Kooperation gern in Kauf, weil wir uns der großen Bedeutung von Gewebespenden bewusst sind. Auf die Bilanz der Zusammenarbeit können wir stolz sein, da damit vielen Menschen mit gesundheitlichen Problemen direkt geholfen werden konnte. Jeder kann jeden Tag in die Situation geraten, auf ein Transplantat angewiesen zu sein. Schon ein leichterer Verkehrsunfall mit Verbrennungen kann dafür ein Auslöser sein.“  

Die vier DRK-Krankenhäuser sind aktiv im Netzwerk der GTM-V mit aktuell 18 Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. „Die DRK-Kliniken sind ein äußerst wertvoller Partner der Gewebemedizin“, hoben die Geschäftsführer der GTM-V, Dr. Frank-Peter Nitschke und Dr. Axel Manecke, hervor. „Die Gewebemedizin der Zukunft wird dazu führen, dass auch kleinere Häuser künftig weitaus stärker am Fortschritt innovativer Transplantate teilhaben werden, vor allem in der chronischen Wundversorgung“, so Dr. Axel Manecke. „Gewebemedizin ist längst kein Thema mehr nur für Krankenhäuser der Maximalversorgung.“ 

 

Hauptanteil der Gewebespenden sind Augenhornhäute
In den ersten drei Jahren haben die vier DRK-Krankenhäuser insgesamt 1.155 Verstorbene gemeldet. Gewebespenden sind im Gegensatz zur Organspende bis ins hohe Alter möglich. Menschen mit einem Alter über 90 Jahren gehören ebenso zu den Spendern wie jüngere Frauen und Männer. Medizinische Ausschlusskriterien für eine mögliche Spende sind beispielsweise bösartige Tumoren des Blutsystems oder eine Alzheimer-Erkrankung. In persönlichen Gesprächen mit den Familienangehörigen wurde die Bereitschaft für eine Gewebespende erfragt und dabei eine sehr hohe Zustimmungsquote von 38 Prozent erzielt.

Die Spende von Augenhornhäuten stellt die häufigste Gewebeentnahme dar, insgesamt 588. Neben der Gewinnung von Augenhornhäuten wurden auch 17 Entnahmen von Herzklappen und Gefäßen sowie 42 Knochenspenden realisiert.   

 

Der Geschäftsführer der DRK-Kliniken, Jan Weyer, appellierte an alle Bürger, sich frühzeitig Gedanken über eine Organ- und Gewebespende zu machen und diese Entscheidung festzuhalten. „Es ist ein Akt der Solidarität und Nächstenliebe, anderen Menschen auch nach dem Tod helfen zu können. Familienangehörige zeigen sich in der schmerzhaften Zeit des Abschieds häufig erleichtert, wenn diese Entscheidung bereits zu Lebzeiten getroffen worden ist.“

Wie läuft eine Gewebespende ab?
Die DRK-Krankenhäuser melden potenzielle Spender an die Rostocker GTM-V. „Das vertrauensvolle Gespräch mit den Angehörigen und die Entnahme der Gewebe bei den Verstorbenen erfolgt grundsätzlich mit unseren medizinischen Fachkräften sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Transplantationsbeauftragten und dem Krankenhaus“, unterstrich Dr. Axel Manecke. „Dabei legen wir viel Wert auf umfassende Informationen über die Gewebespende und Transparenz im Umgang mit menschlichen Transplantaten.“ Nach der Entnahme von Geweben mittels standardisierter Techniken direkt vor Ort in den Klinikeinrichtungen werden diese in der Gewebebank geprüft, fachgerecht aufbereitet, konserviert und anschließend auf Anfrage der Kliniken zur Verfügung gestellt.

 

Trotz Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gewebemedizin im Jahre 2007 durch das Transplantationsgesetz ist es bislang nicht gelungen, eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten mit in Deutschland gespendeten Geweben sicherzustellen. „Die derzeitige Versorgung mit Augenhornhauttransplantaten bei jährlichen ca. 8.000 durchgeführten Transplantationen kann zwar als befriedigend angesehen werden, regional ist trotzdem mit Wartezeiten von bis zu neun Monaten zu rechnen“, so Nitschke. Der jährliche Bedarf an Blutgefäßen und Herzklappen in Deutschland liegt bei über 800 Transplantaten und kann mit Transplantaten humanen Ursprungs ebenfalls nicht gedeckt werden. Defizite in der Versorgung der Patienten mit muskuloskelettalen Gewebetransplantaten können nur über den Import von Spendergewebe aus dem Ausland ausgeglichen werden.

Über 10.000 Patienten warten durchschnittlich in Deutschland auf ein Gewebetransplantat, Tendenz steigend. Damit entwickelt sich die Gewebespende zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe und Herausforderung, den bestehenden Mangel an qualitativ hochwertigen Gewebetransplantaten in Deutschland zu verringern und Neuentwicklungen in der Transplantatherstellung zu etablieren. „Vorrangiges Ziel der gemeinnützigen GTM-V und ihrer Kooperationspartner, wie z. B. die DRK-Kliniken, ist deshalb die weitere Verbesserung der zeitnahen und bedarfsgerechten Versorgung der Patienten mit qualitativ hochwertigen Gewebetransplantaten“, erklärten die Transplantationsmediziner.

Die DRK-Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern
Seit über 25 Jahren sind die Krankenhäuser in Grevesmühlen, Grimmen, Neustrelitz und Teterow in der Trägerschaft des DRK-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. Mit mehr als 1.200 Mitarbeitern versorgen die vier Kliniken jährlich mehr als 22.000 stationäre und 25.000 ambulante Patienten. Damit sind die DRK-Krankenhäuser mit rund 500 Betten ein wichtiger Stützpfeiler der wohnortnahen medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern.

www.drk-kh-mv.de

DRK-Präsident Werner Kuhn dankte allen Spendern und ihren Familien, die anderen Menschen mit gesundheitlichen Problemen helfen möchten.
Foto: Jens Köhler 


-> August 2018

Jahresbericht

Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht erstmals Jahresbericht im Internet


-> 06. August 2018

Menschen im Alter von 18 bis 96 Jahren spendeten Gewebe

 

Rostock, 6. August 2018 - Vertrauen und Transparenz sind die höchsten Güter in der Transplantations- und Gewebemedizin. Aus diesem Grund veröffentlicht die gemeinnützige Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) drei Jahre nach ihrer Gründung erstmals einen Jahresbericht, der auch im Internet (gtm-v.de) eingesehen werden kann und künftig jedes Jahr publiziert wird. Der Beirat der Gesellschaft hat den Jahresbericht 2017 auf seiner Sitzung am 19. Juli 2018 in Rostock bestätigt.

„Wir sind stolz, mit unserem Netzwerk einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Gewebetransplanten leisten zu können. Wie die Empfänger von Transplantaten sind wir sehr dankbar für jeden Spender und die engagierten Mitarbeiter in den Krankenhäusern. Wir sehen uns deshalb in der Pflicht, unsere Arbeit für die Öffentlichkeit darzustellen“, betonten die Geschäftsführer Dr. Frank-Peter Nitschke und Dr. Axel Manecke.

Der Jahresbericht 2017 enthält neben den Leistungsdaten der Transplantationsgesellschaft auch grundsätzliche Informationen zur derzeitigen Situation der Gewebemedizin in Deutschland, die Ablaufprozesse bei einer Gewebespende in der GTM-V sowie die Eckdaten der wirtschaftlichen Entwicklung. Ca. 52.000 Gewebetransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt. Ausgangsmaterial für die Herstellung dieser Transplantate sind dabei vorrangig humane Augenhornhäute, Spenderherzen und Blutgefäße, Plazenta, Knochen, Sehnen und Faszien sowie Haut.

Anteil von Mehrfachgewebespenden soll erhöht werden
Die GTM-V kooperiert aktuell mit 17 Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen und organisiert die Entnahmen von Geweben nach standardisierten Techniken mit dem eigenen qualifizierten Fachpersonal. Auf der Basis der Kooperationen mit den Krankenhäusern wurden im vergangenen Jahr 2.234 Meldungen von potenziellen Spendern registriert. Dies entspricht einer Steigerung der Spendermeldungen zum Vorjahr von fast 50 Prozent. Nach Feststellung medizinischer Ausschlussgründe für eine Spende, fehlender Angehöriger und logistischer Gründe, die einer Gewebespende entgegenstanden, führten die Mitarbeiter der GTM-V insgesamt 1.367 Gespräche mit Angehörigen bezüglich des Willens des Verstorbenen zu einer Gewebespende. In 41 Prozent aller Gespräche wurde nach entsprechender Aufklärung der Angehörigen eine Zustimmung zur Gewebeentnahme erhalten. Diese Quote liegt weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Die Zahl der durch die GTM-V realisierten Gewebespenden ist gegenüber dem Vorjahr um 42,2 Prozent auf 556 gestiegen. In 25 Prozent aller 2.234 Verstorbenenmeldungen konnten eine oder mehrere Gewebeentnahmen vorgenommen werden. Der bundesweite Durchschnitt liegt unter zehn Prozent. Dieser Erfolg basiert auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und dem Engagement der Mitarbeiter.
Im Rahmen der 556 Gewebeentnahmen wurden 2.435 Gewebepräparate entnommen und für die Herstellung von Gewebetransplantaten an Gewebebanken abgegeben. Dies entspricht einer Steigerung zum Ergebnis von 2016 um 48,2 Prozent. Durchschnittlich konnten aus jeder Spende 4,4 Gewebepräparate gewonnen werden. Dabei betrug 2017 das mittlere Alter der Gewebespender 75 Jahre; die Spender hatten ein Alter von 18 bis 96 Jahren. Gewebespenden sind im Gegensatz zur Organspende bis ins hohe Alter möglich.
Die Spende von Augenhornhäuten stellte die häufigste Gewebeentnahme dar. Bei 548 Spenden entnahm die GTM-V 1.091 Augenhornhäute. Aus 77 Knochenentnahmen wurden 1.176 Einzelpräparate für die Transplantation bereitgestellt sowie aus 44 kardiovaskulären Entnahmen 80 Herzklappen und 88 Blutgefäße.
„Bei allen Aktivitäten der GTM-V steht die Möglichkeit der Umsetzung einer Mehrfachspende im Vordergrund“, erklärte Dr. Axel Manecke. „Die GTM-V ist derzeit die einzige Gewebeeinrichtung in MV, die ausschließlich mit eigenem Personal alle Gewebearten entnimmt. Von den 556 Gewebeentnahmen realisierte die GTM-V 80 Mehrfachspenden (14 Prozent).“

Transplantationsgesellschaft arbeitet gemeinnützig
Die GTM-V gGmbH erhält keine Zuwendungen von Krankenkassen oder aus Mitteln der öffentlichen Hand. Sämtliche Aufwendungen müssen über Aufwendungserstattungssätze für bereitgestellte Gewebepräparate und Transplantate erlöst werden. Die Gesellschaft ist gemeinnützig und verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke. Überschüsse werden satzungsgemäß zur Förderung der Gewebespende verwandt.
2017 erzielte die GTM-V über die Gewebespende und die Vermittlung von Gewebetransplantaten einen Umsatz von 824.139 Euro. Dem stehen Ausgaben in Höhe von 834.178 Euro gegenüber. Damit ergibt sich für das Jahr 2017 ein Defizit von 10.038 Euro. Die Personalkosten bilden den größten Ausgabenbereich der GTM-V für das Gesamtjahr 2017, gefolgt von den Material- und den Transportkosten für die Spende.
Gemäß Satzung wird die Arbeit der GTM-V von einem Fachbeirat kritisch begleitet und kontrolliert. Geleitet wird dieses Gremium von Frank Ahrend, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost. Weitere Mitglieder sind der DRK-Landesverband MV, vertreten durch den Präsidenten Werner Kuhn (MdEP), die Ärztekammer MV, vertreten durch den Präsidenten Prof. Dr. Andreas Crusius, sowie der Theologe und Mediator Stephan Peter.

Lange Wartezeiten sind immer noch die Normalität
Trotz Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gewebemedizin im Jahre 2007 durch das Transplantationsgesetz ist es bislang nicht gelungen, eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Versorgung mit in Deutschland gespendeten Geweben sicherzustellen. „Die derzeitige Versorgung mit Augenhornhauttransplantaten bei jährlichen ca. 8.000 durchgeführten Transplantationen kann zwar als befriedigend angesehen werden, regional ist trotzdem mit Wartezeiten von bis zu neun Monaten zu rechnen“, sagte Dr. Frank-Peter Nitschke. Der jährliche Bedarf an Blutgefäßen und Herzklappen in Deutschland liegt bei über 800 Transplantaten und kann mit Transplantaten humanen Ursprungs ebenfalls nicht gedeckt werden. Defizite in der Versorgung der Patienten mit muskuloskelettalen Gewebetransplantaten können nur über den Import von Spendergewebe aus dem Ausland ausgeglichen werden. Über 10.000 Patienten warten in Deutschland auf ein Gewebetransplantat, Tendenz steigend. Damit entwickelt sich die Gewebespende zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe und Herausforderung, den bestehenden Mangel an qualitativ hochwertigen Gewebetransplantaten in Deutschland zu verringern und Neuentwicklungen in der Transplantatherstellung zu etablieren. „Vorrangiges Ziel der GTM-V ist deshalb die weitere Verbesserung der zeitnahen und bedarfsgerechten Versorgung der Patienten mit qualitativ hochwertigen Gewebetransplantaten. In 2017 konnten alle Patienten, die durch die GTM-V ein Transplantat erhielten, zum avisierten Operationstermin versorgt werden. Damit sind wir dem Ziel, Patienten zeitnah ein Transplantat zur Verfügung zu stellen, bei den kooperierenden transplantierenden Einrichtungen gerecht geworden“, so Nitschke und Manecke.

Foto – Beirat Joachim Kloock: Der Beirat der GTM-V tagte am 19. Juli in Rostock und verabschiedete dabei auch den ersten Jahresbericht: Dr. Frank-Peter Nitschke (v. li.), Werner Kuhn, Frank Ahrend, Anita Tölk, Assistentin der GTM-V-Geschäftsführung, Prof. Dr. Andreas Crusius, Stephan Peter und Dr. Axel Manecke.


-> 11. Mai 2018
Patientenversorgung mit Gewebetransplantaten ohne Warteliste – 1000. Augenhornhaut aus der Gewebebank MV verpflanzt

 

Seit Jahren existiert in Deutschland ein Mangel an Augenhornhauttransplantaten. Mit der im Juli 2015 gegründeten Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern hat sich dieser Versorgungsengpass erheblich reduziert. Diese Woche konnte die Transplantation der 1.000. Augenhornhaut gefeiert werden.

„Unser Team ist sehr stolz, dass wir innerhalb so kurzer Zeit so vielen Menschen mit gesundheitlichen Sehproblemen helfen konnten“, sagte der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V), Dr. Frank-Peter Nitschke. „Wir verdanken diesen Erfolg maßgeblich den Spendern und ihren Familien sowie den unglaublich engagierten Mitarbeitern in den Kliniken, die die Entnahme der Gewebe erst möglich machen. In keinem anderen Bundesland ist die Bereitschaft zur uneigennützigen, großherzigen Gewebespende höher als in Mecklenburg-Vorpommern.“

Hohe Spendebereitschaft sorgt für bessere Versorgung
In Mecklenburg-Vorpommern werden jährlich rund 200 Augenhorntransplantationen primär in Rostock, Greifswald, Demmin, Neubrandenburg und Stralsund durchgeführt. Bundesweit sind es etwa 8.000 Transplantation pro Jahr. Allein aus der Gewebebank MV werden derzeit pro Woche durchschnittlich 25 Transplantate abgegeben, was die überregionale Bedeutung dieser Gewebebank widerspiegelt. „Für dieses Jahr planen wir die Bereitstellung von insgesamt rund 1.200 Augenhornhauttransplantaten. Derzeit können wir allen Anfragen von Transplantationszentren nach Augenhornhäuten ohne Wartezeiten nachkommen“, betonte Nitschke. Um die Vermittlung der Hornhauttransplantate noch effektiver und unkomplizierter zu gestalten, gibt es zukünftig auf der Website der GBM-V ein Kontaktformular, so dass anfragende Augenärzte innerhalb kürzester Zeit eine Antwort erhalten, ob ein passendes Transplantat zum gewünschten Termin zur Verfügung gestellt werden kann. „Wir wollen verhindern, dass einerseits Augenhornhäute nach der Lagerungszeit von maximal 34 Tagen verfallen und andererseits Patienten und Ärzteteams unnötig lange auf eine dringend notwendige Transplantation warten müssen.“

Qualität spielt entscheidende Rolle
Transplantate der Rostocker Gewebebank sind insbesondere wegen der hohen Qualität an vielen Universitätsklinika gefragt. „Unsere erfahrenen Mitarbeiter verarbeiten die entnommenen Augenhornhäute nach einer gründlichen Eingangskontrolle sehr zügig. Nach der fachgerechten Präparation kann die Augenhornhaut in der Gewebebank in einem mit Nährstoffen angereicherten Organkulturmedium bei ca. 32 Grad bis zu 28 Tage vorgehalten werden. Durch Produktion in einer Reinraumanlage sowie umfassende gesetzlich vorgeschriebene mikrobiologische Untersuchungen der Gewebepräparate senken wir dabei das Infektionsrisiko für den Transplantatempfänger auf ein Minimum“, erläuterte der Transplantationsmediziner Aufgrund der hohen Transplantatzahlen sind bereits jetzt neue Personaleinstellungen sowie eine Erweiterung der Räumlichkeiten geplant. So werden derzeit neue Büros im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) bezogen sowie weitere Mitarbeiter in der Herstellung gesucht.
Eine Augenhornhauttransplantation ist insbesondere bei der Fuchs'schen Endotheldystrophie ein bewährter und etablierter Eingriff. Bei der erblichen Augenerkrankung, die von dem österreichischen Augenarzt Ernst Fuchs im vorigen Jahrhundert entdeckt wurde, kommt es zu einem Zellschaden in der Innenschicht der Hornhaut, die dann das Augenwasser aus der Hornhaut nicht mehr richtig abführen kann, um die Hornhaut klar zu halten. Oftmals hilft in diesem Fall nur eine neue Augenhornhaut, um das Erblinden zu verhindern. Die Hornhauttransplantation ist die älteste und am häufigsten durchgeführte Transplantation in der Medizin.

Enge Kooperation mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin
Basis für die verbesserte Versorgung der Patienten mit Hornhauttransplantaten ist die enge Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin, die durch Kooperationen mit Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen die Versorgung mit humanem Gewebe sicherstellt. „Aufgrund des wachsenden Netzwerkes an Kliniken, die mit uns kooperieren, können wir erheblich zur Verbesserung der Versorgungslage beitragen“, erklärte der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV (GTM-V), Dr. Axel Manecke. Im Netzwerk der Gewebespende arbeitet die GTM-V inzwischen mit 20 Krankenhäusern zusammen. Die Transplantationsmediziner appellieren an alle Familien, eine klare Entscheidung zur Organ- und Gewebespende zu treffen. „Egal ob dafür oder dagegen, jede klare Entscheidung erleichtert den Angehörigen, den Mitarbeitern in den Kliniken und uns die Arbeit“, unterstrich Manecke.


Foto – Joachim Kloock: Jeder Patient, dem mit einer gespendeten Augenhornhaut das Sehlicht erhalten bleibt, ist sehr dankbar über die Spendebereitschaft seiner Mitmenschen. In der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern wird die Grundlage für eine erfolgreiche Augenhornhauttransplantation gelegt.


-> Frühjahr 2018

Rostocker Gewebespende mit zweitem Standort in Leipzig


-> Januar 2018

Höhere Akzeptanz: Mehr als 2.200 Spendermeldungen im Netzwerk

Die Akzeptanz für Gewebespenden ist in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gestiegen. Die gemeinnützige Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock erhielt im vergangenen Jahr 2.233 Spendermeldungen aus den Kliniken des Netzwerkes, eine Steigerung zum Vorjahr um fast 50 Prozent (2016: rund 1.500). Mit den hergestellten Transplantaten konnte mehr als 2.000 Patienten geholfen werden. Aufgrund des wachsenden Netzwerkes an kooperierenden Kliniken ist die GTM-V derzeit intensiv auf der Suche nach größeren Büroräumen im Umfeld ihrer Gewebebank im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ). Seit Jahresbeginn ist die GTM-V zudem mit einem Standort in Leipzig präsent. Im mitteldeutschen Raum soll analog zur nordöstlichen Region ein Kompetenznetzwerk für die Gewebemedizin aufgebaut werden. Ziel ist der Abbau von Wartezeiten für zum Teil lebensnotwendige Gewebetransplantate. „Die gemeinsame Aufklärungsarbeit mit den Transplantationsbeauftragten und Kollegen in den Partnerkrankenhäusern zahlt sich aus“, sagte der ärztliche Geschäftsführer Dr. Axel Manecke. „Die Transplantationsmedizin ist eine Vertrauenssache und eine Möglichkeit, kranken Menschen wirksam zu helfen. Je mehr die Öffentlichkeit darüber informiert ist, umso stärker ist auch die Bereitschaft, nach dem Tod zu helfen.“ Bei rund 2.200 Spendermeldungen aus den Kliniken hat die GTM-V vor Ort im vergangenen Jahr fast 1.400 Gespräche mit den Familienangehörigen von Verstorbenen geführt. Rund 43 Prozent der Angehörigen erteilten für eine Gewebeentnahme eine Zustimmung, wobei es danach noch medizinische Gründe geben kann, die eine Spende ausschließen (2016: 41 %). In 26 Prozent der Meldungen konnten die Mitarbeiter der GTM-V eine oder mehrere Gewebeentnahmen verwirklichen. Das Rostocker Gewebespende-Team ist mittlerweile auf 22 Mitarbeiter angewachsen. Gewebebank MV deckt 10 Prozent des bundesweiten Bedarfs bei Augenhornhäuten Die Entnahme von Augenhornhäuten konnte durch die GTM-V in 2017 deutlich gesteigert werden. In der mit der GTM-V eng kooperierende Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern im BMFZ wurden im letzten Jahr rund 1.100 Augenhornhäute für die späteren Empfänger aufbereitet (2016: 178). Bei einem jährlichen Bedarf von ca. 8.000 Augenhornhäuten deckt die Rostocker Gewebebank inzwischen ca. zehn Prozent der bundesweiten Nachfrage. Nach wie vor müssen viele Transplantationszentren ihre Augenhornhäute aus dem Ausland beziehen bzw. die Patienten lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Darüber hinaus hat die GTM-V 202 Herzklappen und Blutgefäße für kardiologische Patienten entnommen. Die Entnahme von kardiovaskulärem Gewebe ist bis zu 36 Stunden nach dem Eintreten des Herz-Kreislaufstillstandes möglich. Auch hier ist die Nachfrage an hochwertigen Transplantaten hoch. Die Rostocker Gewebebank GBM-V hatte 2017 als erste Einrichtung in MV vom Landesamt für Gesundheit und Soziales MV die Herstellungserlaubnis für humane Herzklappen und Blutgefäße erhalten, so dass die gewonnenen Gewebe jetzt auch in Rostock zu Transplantaten verarbeitet werden können.

Der größte medizinische Nutzen für die betroffenen Patienten kann jedoch aus Spenden von Knochengewebe gezogen werden. Aus den 74 Knochenspenden hat die GTM-V mehr als 1.050 Präparate entnommen, aus denen eine auf die Herstellung von Transplantaten aus muskuloskelettalen Geweben spezialisierte Berliner Gewebebank mehrere tausend Einzeltransplantate gewinnen kann. Diese werden vor allem beim Wiederaufbau von Knochensubstanz eingesetzt, beispielsweise bei schweren Verletzungen und Brüchen, bei künstlichen Gelenken sowie nach Tumoroperationen.

„Für das kommende Jahr erwarten wir unter anderem die Erlaubnis für die Umsetzung einer Lebendspende“, informierte der ärztliche Geschäftsführer, Dr. Frank-Peter Nitschke (Foto). Dabei geht es um Amnion-Spenden. Nach einer entsprechenden Aufklärung und Zustimmung der schwangeren Frau wird bei einem geplanten Kaiserschnitt der Mutterkuchen, die sogenannte Plazenta gespendet. Diese enthält das wertvolle Amnion, die dünne, gefäßlose innere Eihaut der Fruchtblase, die vor allem in der Augenheilkunde verwendet wird.

Das Kompetenznetzwerk Gewebemedizin wächst
Im Netzwerk der Gewebespende arbeitet die GTM-V inzwischen mit 19 Krankenhäusern zusammen (2016: 16). Neu hinzugekommen sind im vergangenen Jahr Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Zum Jahresbeginn startete die Kooperation mit dem Diakonissenkrankenhaus Leipzig. „Wir haben uns zudem entschieden, in Leipzig einen zweiten Standort zu errichten, in der die Gewebemedizin wie in Mecklenburg-Vorpommern etabliert werden soll. Hintergrund ist die steigende Nachfrage von Transplantationszentren aus der Region“, betonte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Bei qualitativ hochwertigen Transplantaten geht es auch um eine schnelle Verfügbarkeit und um die Vermeidung unnötiger Transporte. Am neuen sächsischen Standort soll am Leipziger Diakonissenkrankenhaus ein eigenes Entnahmeteam aufgebaut und das Netzwerk Schritt für Schritt erweitert werden. Dafür liegen uns schon mehrere Anfragen, unter anderem von Uniklinika vor. Auch deshalb sind kurze Wege sinnvoll.“

Jahresbericht und Transparenz
Für das erste vollständige Geschäftsjahr 2017 wird aktuell ein Jahresbericht erstellt, der anschließend im Internet veröffentlicht werden soll. Im vergangenen Jahr hat sich ferner der hochkarätig besetzte Fachbeirat erweitert, der die gemeinnützige Gesellschaft in ihrer Arbeit kritisch begleitet und kontrolliert. Geleitet wird das Gremium von Frank Ahrend, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost. Weitere Mitglieder sind die Notarin a.D. Hannelore Gamm, der DRK Landesverband MV, vertreten durch seinen Präsidenten Werner Kuhn (MdEP), die Ärztekammer MV, vertreten durch den Präsidenten Dr. Andreas Crusius, sowie der Theologe und Mediator Stephan Peter.


Foto – GTM-V: Rund 40 Herzen hat das Team der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH im vergangenen Jahr entnommen. Bundesweit benötigen kardiologische Patienten die daraus gewonnenen Herzklappen und Blutgefäße. Dr. Frank-Peter Nitschke (re.) bei einer Herzentnahme.


-> 21.August 2017
Krankenhäuser in Hagenow und Ludwigslust beteiligen sich erstmals am Netzwerk für Gewebespenden

Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV soll Versorgung aller Patienten verbessern

Seit dem 1. Juni 2017 kooperiert die Westmecklenburg Klinikum Helene von Bülow GmbH mit ihren Krankenhäusern in Hagenow und Ludwigslust in der Gewebemedizin mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH). Die 2015 in Rostock gegründete gemeinnützige Gesellschaft wird von zwei erfahrenen Medizinern aus dem Bereich der Organ- und Gewebespende geleitet. Die GTM-V bedient als eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland das gesamte Spektrum der postmortalen Spende, also der Entnahme von Augenhornhäuten, Knochen, Sehnen, Haut, Herzklappen und Blutgefäßen nach dem Tod. Geschäftsführer und Stiftspropst Jürgen Stobbe begrüßte die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Gewebemedizin. „Die deutsche Transplantationsmedizin stellt den freien Willen der Betroffenen, die Gemeinnützigkeit und das Wohl der Patienten in den Mittelpunkt. Das hat sich bewährt und wird dem hohen Gut des Lebens gerecht. Für mich ist die Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende nach dem Tod aus christlicher Sicht ein Zeichen der Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Solidarität.“

Bedarf kann nicht gedeckt werden
Die Versorgung von Patienten mit hochwertigen Gewebetransplantaten gestaltet sich allerdings auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der erneuerten gesetzlichen Rahmenbedingungen im Transplantationsgesetz immer noch schwierig. „Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei ca. drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich“, sagte der Geschäftsführende Arzt der GTM-V, der Rostocker Dr. Frank-Peter Nitschke. „Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Von den jährlich etwa 8.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland werden rund 1.000 durch Spenden aus dem Ausland abgedeckt. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zu einer dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität führen. Das muss nicht sein, das wollen wir mit unserem wachsenden Netzwerk ändern“, so Nitschke.

Ansprechpartner für alle Fragen zu Organ- und Gewebespenden in Ludwigslust und Hagenow ist der Transplantationsbeauftragte und Chefarzt für Anästhesie- und Intensivmedizin, Chefarzt Dr. Karsten Matheja (Foto). „Die Kooperation ist für uns ein weitreichender Schritt“, betonte der Facharzt für Anästhesie und Notfallmedizin. „Es ist in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit, sich als Akutklinik für die Grund- und Regelversorgung an einem Netzwerk für Gewebespenden zu beteiligen. Das Konzept, dass Patienten aller Kliniken, egal welcher Größe, von der modernen Gewebemedizin profitieren sollen, hat uns jedoch überzeugt. Uns ist klar, dass die Nachfrage an Gewebetransplantaten aktuell nicht gedeckt werden kann und weiter steigen wird“, so Matheja. „Insofern unterstützen wir den Ansatz, die Versorgung von Patienten aller Altersgruppen mit innovativen Gewebetransplantaten ohne längere Wartezeiten zu verbessern.“

Als moderne medizinische Einrichtungen der Schwerpunktversorgung leisten die Krankenhäuser in Ludwiglust und Hagenow somit im Rahmen der Kooperation künftig ihren eigenen Beitrag, um Gewebespenden zu gewinnen. Dabei treten bei der Organ- und Gewebespende große Unterschiede auf. Bei der Gewebespende spielt das Alter eine geringere Rolle und die entnommenen Transplantate können präpariert und gelagert weitaus länger eingesetzt werden. Seit Beginn der Zusammenarbeit im Juni konnten bereits 16 potenzielle Spender gewonnen und die ersten Entnahmen vorgenommen werden. Die Gewebespenden werden in der Rostocker Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH (GBM-V) zu hochwertigen Transplantaten aufbereitet, die allen Patienten zur Verfügung stehen.

Vertrauen und Transparenz sind Grundvoraussetzung
„Das vertrauensvolle Gespräch mit den Angehörigen und die Entnahme der Spenden bei den Verstorbenen erfolgt grundsätzlich mit unseren medizinischen Fachkräften sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Transplantationsbeauftragten und dem Krankenhaus“, unterstrich Dr. Axel Manecke von der GTM-V. „Dabei legen wir sehr viel Wert auf umfassende Informationen über die Gewebespende und Transparenz im Umgang mit menschlichen Transplantaten“, so Manecke weiter. „Unser Ziel ist es, den Bedarf an Gewebespenden zu decken, so dass jeder Patient auch sofort die Hilfe bekommt, die er benötigt. Jeder kann in die Situation kommen, beispielsweise durch einen Verkehrsunfall, auf eine Spende angewiesen zu sein.“

Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. Das Netzwerk an kooperierenden Kliniken besteht vor allem aus Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung in Mecklenburg-Vorpommern. Die größte Einrichtung ist das Klinikum Südstadt in Rostock. „Die moderne Gewebemedizin wird dazu führen, dass auch kleinere Häuser künftig stärker am Fortschritt innovativer Transplantate teilhaben werden, vor allem in der Versorgung chronischer Wunden, aber auch in der Kardiologie“, so Dr. Axel Manecke.

Die Westmecklenburg Klinikum Helene von Bülow GmbH ist ein gemeinsames Unternehmen des Landkreises Ludwigslust-Parchim und des Stift Bethlehem. Das Klinikum versorgt mit seinen Standorten in Ludwigslust und Hagenow und insgesamt 320 Betten die rund 120.000 Einwohner im Landkreis Ludwigslust-Parchim.
www.wmk-hvb.de


Foto – WMK-HVB GmbH: Transplantationsbeauftragter Oberarzt Dr. Karsten Matheja möchte in seinem Klinikum die Versorgung der Bevölkerung mit Transplantaten verbessern.         


Foto – GBM-V/Barbara Pommerenke: Gewebekoordinator Stephan Petrowski bringt eine Kühlbox mit einem Herzen in die Gewebebank. Nach der Entnahme werden dort die Transplantate aufbereitet.

 


-> 01.Juni 2017
Rostocker Gewebebank erhält als erste Einrichtung in MV Herstellungserlaubnis für humane Herzklappen und Blutgefäße

Enormer Bedarf an hochwertigen kardiovaskulären Transplantaten

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales MV hat der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH (GBM-V) mit Sitz in Rostock im Mai die „Erlaubnis für die Be- oder Verarbeitung, Konservierung, Prüfung, Lagerung, das Inverkehrbringen von Gewebe oder Gewebezubereitungen“ erteilt. Damit ist die Rostocker Einrichtung die einzige Gewebebank in Mecklenburg-Vorpommern, die kardiovaskuläre Transplantate herstellen darf.

Bereits seit zwei Jahren wurden durch die eng mit der GBM-V kooperierende Gesellschaft für Transplantationsmedizin M-V gGmbH (GTM-V), ebenfalls ansässig in Rostock, zwar schon Gewebespenden von Herzen oder Gefäßen entnommen, aber nun können die Transplantate auch in Rostock für den künftigen Empfänger aufbereitet werden. Vorher haben das vertraglich gebundene Gewebebanken außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns übernommen. „Der Bedarf an hochwertigen Herzklappen- und Gefäßtransplantaten ist enorm“, sagt der ärztliche Geschäftsführer Dr. Axel Manecke von der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH. „Das liegt insbesondere an der älter werdenden Gesellschaft, aber auch am medizinischen Fortschritt, der Operationen zunehmend auch im höheren Alter möglich macht.“

Die Entnahme von kardiovaskulärem Gewebe ist bis zu 36 Stunden nach dem Eintreten des Herz-Kreislaufstillstandes möglich. Die Gewinnung von Organen und Geweben des Spenders erfolgt durch einen Eingriff, der mit einer Operation am lebenden Patienten vergleichbar ist. „Nur mit größter Sorgfalt entnommene Organe bzw. Gewebe können in der Folge wieder transplantiert werden. Die hergestellten Gewebezubereitungen, Herzklappen und Gefäße, sind bei Temperaturen unter - 130 °C in Stickstoff fünf Jahre lagerbar. Da die Nachfrage jedoch sehr hoch ist, wird die Lagerungszeit in der Regel nicht ausgeschöpft“, erläuterte Dr. Frank-Peter Nitschke, ärztlicher Geschäftsführer der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH.

Spenderaufkommen soll deutlich erhöht werden
Die Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) stellt derzeit Gewebezubereitungen aus Augenhornhäuten, Herzklappen und Gefäßen nach herkömmlichen klassischen Verfahren her. Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. Diese sollen im laufenden Jahr mehr als verdoppelt werden. „Wir sehen unsere Aufgabe auch im Werben um eine hohe Spendenbereitschaft durch eine aktive Informations- und Aufklärungsarbeit. Im Notfall möchte jeder, dass ihm schnell geholfen werden kann“, betonte Nitschke.

In Zukunft wird die GBM-V gGmbH vorrangig neue, innovative und zukunftsorientierte Technologien zur Herstellung von Transplantaten aus Herzklappen, Haut und anderen Geweben etablieren. Die erforderlichen Erlaubnis- und Genehmigungsverfahren sind bereits in Vorbereitung. Dazu kooperiert die gemeinnützige Gesellschaft mit dem britischen Biotechnologieunternehmen Tissue Regenix. Die Tissue Regenix Group plc ist eine international führende Firma in der Entwicklung von regenerativen Implantaten auf der Basis zellfreier Gewebegerüste (tissueregenix.com).

Hintergrund
Die Gewebemedizin stellt einen bedeutenden Teilbereich der Transplantationsmedizin dar. Schätzungsweise 52.000 Gewebetransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt, weitaus mehr als Organtransplantationen. 2016 erhielten bundesweit 3.049 Patienten ein Spenderorgan. Im Gegensatz zur Organspende werden die Gewebe nicht gleich verpflanzt. In Gewebebanken werden aus den entnommenen Gewebepräparaten qualitativ hochwertige Gewebetransplantate hergestellt. In der medizinischen Versorgung werden vor allem Herzklappen, Blutgefäße, Augenhornhäute, Knochen, Sehnen, Faszien sowie Amnionmembranen und Haut nach Aufbereitung zu Gewebetransplantaten eingesetzt.

Die Versorgung von Patienten mit Gewebezubereitungen ist auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist noch gravierender. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen, Verlust der Sehkraft) führen.

In Deutschland sind derzeit ca. 20 Einrichtungen mit einer Erlaubnis für die Gewinnung von Gewebe im Bereich der Spende aktiv. Die Spenderprogramme sind universitär (11), in gGmbH (6) oder GmbH (3) organisiert. Die Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern kooperiert im Bereich der Gewebespende mit der GTM-V.


-> 02.Januar 2017

Aufwändige Herzentnahmen sichern besonders hochwertige Gewebepräparate

532 Patienten mit Augenproblemen in ganz Deutschland profitierten im vergangenen Jahr von der 2015 neu gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock. Insgesamt wurden 741 Hornhäute in 2016 durch Gewebespenden entnommen. 
„Wir haben damit auf Anhieb sieben Prozent des bundesweiten Bedarfes gedeckt“, betonte der ärztliche Geschäftsführer Dr. Axel Manecke. „Mit unserer Gewebebank haben wir den unnötigen Wartezeiten für Patienten den Kampf angesagt und sind ein gutes Stück vorangekommen. Unser Ziel ist, ohne jede zeitliche Verzögerung den Betroffenen umgehend die erforderlichen Gewebetransplantate bereit zu stellen.“ Darüber hinaus hat sich die GTM-V mit der Entnahme von Herzen bei Herzkreislauf-Verstorbenen als neue Ressource für die Bereitstellung von Herzklappen und Blutgefäßen einen Namen in den Transplantationszentren gemacht. Dabei gewährleisten die Rostocker in einem aufwändigen Entnahmeverfahren eine hohe Qualität der kardiovaskulären Gewebepräparate. Dieses Verfahren kommt in Deutschland kaum zur Anwendung.

Nur ein Jahr nach der Gründung hatte die Rostocker Gewebebank im September 2016 von der Arzneimittelüberwachungs- und -prüfstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales MV (LAGuS M-V) die Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten erhalten. Das ist die Grundvoraussetzung, um entnommene Gewebe bearbeiten, konservieren, lagern sowie anschließend als verpflanzbare Transplantate  Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren zur Verfügung stellen zu können. „Wir sind schon stolz, dass wir im letzten Quartal mit dieser Genehmigung bereits 80 selbst präparierte Augenhornhäute in hoher Qualität zur Transplantation bundesweit verteilen konnten. In diesem Jahr wollen wir rund 1.100 Augenhornhäute im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) aufbereiten“, sagte Dr. Frank-Peter Nitschke, ärztlicher Geschäftsführer der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern gGmbH. Während der Gesetzgeber eine Präparationszeit innerhalb von 72 Stunden nach der Entnahme vorschreibt, werden die Hornhäute in Rostock bereits nach 16 bis 24 Stunden für die Transplantation vorbereitet, was die Qualität der Transplantate maßgeblich erhöht. Aufgrund der positiven Entwicklung wurden inzwischen zwei neue Fachkräfte für die Herstellung von Gewebetransplantaten in der Gewebebank eingestellt.

Eine Entnahme, großer Nutzen für viele Patienten
Im ersten Jahr des Bestehens wurden neben den Augenhornhautentnahmen auch 56 Entnahmen von Knochengewebe und 27 von Herzklappen und Blutgefäßen vorgenommen. „Aus den 56 Knochenspenden haben wir der kooperierenden Berliner Gewebebank (DIZG/dizg.de) 667 Präparate bereitgestellt, mit denen wiederrum mehr als tausend Patienten direkt geholfen werden kann, insbesondere nach Unfällen und Krebsoperationen“, so Dr. Frank-Peter Nitschke. „Eine hohe Spendebereitschaft in der Gesellschaft bedeutet auch, dass jedem Menschen in einem Notfall geholfen werden kann“, unterstrich der Mediziner.

Auf der Basis eines eigens entwickelten Meldesystems mit mittlerweile 16 kooperierenden Krankenhäusern hat die GTM-V in 2016 rund 1.500 Spendermeldungen aus den Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erhalten. In 27 Prozent der Meldungen konnten die Mitarbeiter der GTM-V eine oder mehrere Gewebeentnahmen verwirklichen. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei etwa zehn Prozent. „Das ist ein Erfolg, weil wir auf eine enge Vernetzung und Rückkopplung Wert legen sowie die Organisation vor Ort durch erfahrene Transplantationsärzte erfolgt“, so Nitschke. „Wir prüfen jeden potenziellen Spender genau, auch wenn eine Gewebeentnahme aufgrund der Erkrankung und Todesfolge auf dem ersten Blick als kritisch eingeschätzt wird. In den Gesprächen mit den Angehörigen erhalten wir gegenwärtig eine Zustimmung für eine Gewebespende von durchschnittlich 41 Prozent. Diese wollen wir in den kommenden Jahren deutlich erhöhen.“

Kleinere Krankenhäuser sind jetzt einbezogen
Das Netzwerk an kooperierenden Kliniken besteht vor allem aus kleineren Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung, so unter anderem aus Ribnitz-Damgarten, Pasewalk, Bützow, den DRK-Krankenhäusern und Schwedt. Die größte Einrichtung ist das Klinikum Südstadt in Rostock. „Diese Kliniken leisten mit ihren Experten einen sehr engagierten Beitrag für die Bereitstellung dieser Ressourcen für alle Patienten. Die moderne Gewebemedizin wird dazu führen, dass auch kleinere Häuser künftig stärker am Fortschritt innovativer Transplantate teilhaben werden, vor allem in der chronischen Wundversorgung“, so Dr. Axel Manecke. „Gewebemedizin ist längst kein Thema mehr nur für Uniklinika.“

Anfang des Jahres erwartet die Rostocker Gewebebank die Genehmigung für die Aufbereitung von kardiovaskulärem Gewebe wie Herzklappen und Blutgefäßen und Mitte des Jahres die für die Herstellung dezellulärer (zellfreier) Herzklappen nach neuesten Verfahren. Darüber hinaus wird mit  weiteren Krankenhäusern, Uniklinika und Forschungseinrichtungen über mögliche Kooperationen verhandelt, um das Netzwerk gezielt auszubauen.

 

Ein Alleinstellungsmerkmal der Rostocker Transplantationsmediziner soll darüber hinaus noch intensiver genutzt werden – die Entnahme von Herzen zur Gewinnung hochwertiger Transplantate. „Bislang haben wir einen Sektionssaal im Klinikum Südstadt Rostock in einen OP umfunktionieren können, um dort ganze Herzen von normal verstorbenen Menschen oder nicht geeigneten Organspendern entnehmen zu können“, erläuterte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Das ist sehr aufwändig, aber die Entnahme der Herzklappen oder Gefäße außerhalb des Prozesses der Organspende trägt maßgeblich zur Verbesserung der Versorgung der Patienten bei. Diese Transplantate sind deshalb besonders begehrt in herz- und gefäßchirurgischen Kliniken“, so Nitschke. „Unsere Aufgabe ist Leben retten mit hochwertigen Gewebetransplantaten.“

 

Hintergrund
Die Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten ist auch neun Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen) führen.


-> 17.August 2016

Rostocker Gewebespende und Gewebebank mit erfolgreichem ersten Jahr

Rostocker Gewebebank erhält Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten
Über 1.000 Spenden pro Jahr geplant - bessere Versorgung für Patienten mit Sehproblemen
 
Rostock, 17. August 2016 - Nur ein Jahr nach der Gründung hat die gemeinnützige Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock von der Arzneimittelüberwachungs- und -prüfstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales MV (LAGuS M-V) die Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten erhalten. Das ist die Grundvoraussetzung, um entnommene Gewebe bearbeiten, konservieren, lagern sowie anschließend als verpflanzbare Transplantate  Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren zur Verfügung stellen zu können. Direkt davon hängt auch die Genehmigung für die Abgabe von Gewebetransplantaten der aufbereiteten Spenden ab, die für Ende August vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut in Langen (PEI) erwartet wird.

„Damit können wir endlich durchstarten und die gewonnenen Augenhornhäute selbst aufbereiten und zügig an die Kliniken ausreichen“, freute sich Geschäftsführer Dr. Frank-Peter Nitschke über die wichtige Herstellungserlaubnis. „Durch die hervorragende Vorarbeit unseres Teams und den Aufbau eines funktionierenden Spenderprogrammes können wir nun jährlich ca. rund 1.000 Augenhornhäute für Patienten mit ernsthaften Augen- und Sehproblemen bereitstellen. Damit werden zumindest in Mecklenburg-Vorpommern künftig keine Wartezeiten mehr entstehen“, so Nitschke. 
 
Derzeit werden die logistischen Voraussetzungen für die im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock ansässige Gewebebank geschaffen. Ab September dieses Jahres können Augenärzte über eine Online-Anfrage schnell und unkompliziert Augenhornhäute für ihre Patienten anfordern. Bislang wurden die gespendeten und von Fachkräften der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) entnommenen Augenhornhäute, rund 520 seit Jahresbeginn, noch in externen Gewebebanken aufbereitet. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt die Gewebespenden unserer mittlerweile elf Kooperationspartner direkt selbst für die Empfänger aufbereiten können“, betonte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Wir sind mit weiteren Kliniken und auch Universitäten in Verhandlung, um unser Netzwerk zu erweitern. „Unserem Ziel einer besseren Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten bei Vermeidung von unnötigen Wartezeiten kommen wir jeden Tag näher.“
 
Die Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten ist auch neun Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen) führen.

Innovative Transplantate auch für kleinere Kliniken
Aktuell laufen weitere Herstellungs- und Genehmigungsverfahren, um auch alle anderen Gewebespenden in Eigenregie vor Ort weiterverarbeiten zu können. Das betrifft herkömmliche und neue Technologien für Herzklappen, Gefäße, Herzbeutel, Amnion (Eihaut der Fruchtblase) und Haut.
„Mit der Vorlage aller Genehmigungen wird die Rostocker Gewebebank künftig als eine von wenigen Einrichtungen in Deutschland ein sehr vielschichtiges Spektrum der humanen Gewebetransplantate abdecken“, sagte Dr. Andreas Knipper, Leiter Regulatory Affairs (Arzneimittelzulassungen) der GBM-V.

Darüber hinaus ist vorgesehen, durch eine Kooperation mit dem britischen Medizinunternehmen Tissue Regenix alle, vor allem auch kleinere Krankenhausstandorte mit innovativen Gewebetransplantaten zu versorgen. Die Tissue Regenix Group plc (www.tissueregenix.com) ist eine international führende Firma in der Entwicklung von regenerativen Implantaten auf der Basis zellfreier (dezellulärer) Gewebegerüste. Erstmals hat die Tissue Regenix Anfang des Jahres mit der Rostocker Kooperation ihre Lizenzen einer europäischen Gewebebank zur Verfügung gestellt. Auch dafür laufen gegenwärtig weitere Genehmigungsverfahren. Die hochwertigen Gewebetransplantate ermöglichen den Empfängern ein wesentlich besseres Langzeitergebnis, da sie vom Empfänger nicht mehr als fremd erkannt werden und somit deutlich geringere bzw. keine Abstoßungsreaktionen zeigen.
 
„Um eine hohe Sicherheit für unsere Patienten zu garantieren, wurde das Medizinische Labor Rostock  vom Landesamt für Gesundheit und Soziales MV mit der Diagnostik der Augenhornhauttransplantate beauftragt“, informierte Nitschke. Das Rostocker Labor wird regelmäßig mikrobiologische Untersuchungen zur Prüfung der Sterilität und Keimfreiheit der Transplantate der Rostocker Gewebebank vornehmen. „Unser Labor führt seit 2015 die gesamte mikrobiologische und virologische Diagnostik im Bereich Gewebemedizin durch“, so Dr. Michael Steiner, Ärztlicher Leiter des Labors. „Insbesondere für die Gewebetransplantate sind alle Untersuchungsverfahren geprüft worden, damit höchste Sicherheit für die Transplantatempfänger gewährleistet ist.“

Hintergrund Augenspende
Die Hornhaut-Transplantation ist die älteste und inzwischen die häufigste und erfolgreichste Verpflanzung eines Gewebes beim Menschen. Die erste erfolgreiche Hornhauttransplantation führte bereits 1905 der österreichische Augenarzt Dr. Eduard Zirm durch.


Die Hornhaut des Auges (Cornea) bezeichnet man auch als die Windschutzscheibe des Auges. Eine gleichmäßig gekrümmte und völlig klare Hornhaut führt zu einem klaren Sehen. Erkrankungen der Augenhornhaut (Hornhautkrümmungen oder Hornhauttrübungen) können verschiedene Ursachen haben und führen unbehandelt über eine herabgesetzte Sehschärfe letztendlich zur Erblindung. Eine Hornhauttransplantation kann Patienten vor einer Erblindung bewahren oder ihnen das Augenlicht zurückgeben. Dabei wird die erkrankte Hornhaut des Patienten oder Teile von ihr durch eine Spenderhornhaut ersetzt.

Von den jährlich etwa 8.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland werden rund 1.000 durch Spenden aus dem Ausland abgedeckt. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Hornhauttransplantationen zukünftig auf ca. 12.000 jährlich steigen wird.

Foto – GBM-V/Joachim Kloock: Eine Mitarbeiterin in der Gewebebank präpariert eine Hornhaut. In den Gewebebanken können die Gewebezubereitungen je nach Gewebetyp und Konservierungsmethode unterschiedlich lange aufbewahrt werden. Die Lagerdauer für Augenhornhäute beträgt bis zu 35 Tage.

 

 


-> 26.April 2016

Die GTM-V ist jetzt auch bei Facebook zu finden. Besuchen Sie unsere Facebookseite und informieren Sie sich. Gerne können Sie Fragen rund um das Thema Transplantationsmedizin stellen - wir stehen gerne Rede und Antwort.

 

Foto – GTM-V:
Geschäftsführer
Dr. med. Frank-Peter Nitschke
 und Dr. med. Axel Manecke


-> 22.Januar 2016

Auf Initiative der GTM-V gründete sich satzungsgemäß der Beirat, der in transparenter Art und Weise die Aufsicht und Kontrolle über die gesellschaftlich und gesundheitspolitisch relevanten Aktivitäten und Tätigkeiten der Gesellschaft ausüben wird.
Der Beirat besteht aus Vertretern gesundheitspolitischer Institutionen. Den Vorsitz bekleidet Herr F. Ahrend, Geschäftsführer der AOK–Nordost, seine Stellvertretung übernimmt Herr Dr. med. Crusius, Präsident der Ärztekammer MV.


-> 24.Juni 2015
Änderung der Festnetznummern

Sie erreichen uns ab sofort telefonisch unter 0381/ 444 30 50 oder per Fax unter 0381/ 444 30 525.


-> 27.Mai 2015

Die GTM-V hat als erste Einrichtung im Bereich der postmortalen Spende eine Erlaubnis für die Gewinnung von Gewebe gemäß § 20 b Abs. 1 Arzneimittelgesetz (AMG) in Mecklenburg-Vorpommern bescheinigt bekommen.